momentaufnahmen: Wenn es wegen Brötchen fast nicht zum Bus reicht
Es klingt wie ein Vorwurf, ist aber nur die Frage, ob das der richtige Bus sei? Sie wolle nämlich zum Konzert, motzt die leicht angetrunkene ältere Frau und erklärt ruppig, dass sie dafür eigens aus Oldenburg angereist sei. Sie rutscht ihr Ikea-Bigpack mit den Füßen ein Stück weiter.
Der Bus fährt an. Sitzplätze wären genug da. Sie aber bleibt schwankend stehen, die Hand fest an der Haltestange: „Also das!“, schimpft sie jetzt, „Das muss ich dir jetzt aber mal sagen!“ Und zwar habe sie soeben der Filialleiter eines Bäcker-Franchise festgehalten, weil sie mit einem unbezahlten Brötchen kurz aus dem Laden getreten war. „Der hat die Polizei gerufen!“, sagt sie. „Ich dachte schon, ich bekomme mein Gepäck nicht, weil, das hatte ich im Dom abgelegt, und die machen da pünktlich zu, und da drin ist mein Schwerbehindertenausweis“, den brauche sie, was den Filialleiter aber null interessiert habe. Zum Glück seien die Polizisten schnell da gewesen, die hätten mit ihr die Sachen im Dom geholt und auch nur den Kopf geschüttelt. „Aber echt“, sagt sie, und die Stimme zittert, „das ist doch echt ein …“ Und da hat sie Recht. Und besser lässt es sich auch gar nicht ausdrücken. Benno Schirrmeister
Osnabrück
166.250 Einwohner*innen, hat zwei rund um die Uhr besetzte Polizeiwachen, sieben Polizeistationen und einen spätromanischen Dom, der St. Peter geweiht und Sitz eines römisch-katholischen Bischofs ist.
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