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momentaufnahmenWenn es nicht ohne etwas Theater geht

Schwül ist es an diesem frühen Theatertreffenmaidienstagabend in Wilmersdorf. Diesig hängt die Luftfeuchtigkeit von Niesel und erster Hitze in den Kastanienbäumen. Aufgeregtes Stimmengemurmel steigert sich, als die Klingel ertönt. Das Ensemble des Theater Basel wird eine der besten zehn Inszenierungen spielen. Entschuldigung, Entschuldigung, Darf ich bitte. Kleidung reibt. Voll sind die Reihen, graue oder keine Haare, beige Trenchcoats, teure Perlen mischen sich mit Wasserstoff-peroxidierten Vokuhilas, Raverhosen, Humana-Hemden und Streberrollkrägen: klassisches Berliner Theaterpublikum.

Das Licht geht aus, das Licht geht an, das Stück geht los, es räuspert sich die dritte Reihe. Erneut. Mit Vehemenz. Dann: „Entschuldigen Sie, machen Sie bitte ihr blinkendes Telefon aus.“ „Das ist mein Hörgerät“, so laut, als wäre es doch schon ausgestellt. Glucksendes Lachen in den ersten Reihen. Leichte Irritation auf der Bühne. Am Ende alles von vorn. Darf ich bitte, Entschuldigung, Entschuldigung.

Berlin-Wilmersdorf

101.200 Ein­wohner*innen.

Villen und repräsentativen Altbau findet man in dem Ortsteil reichlich. Hier sollen auch die sagenhaften und streng konservativen „Wilmersdorfer Witwen“ wohnen, die in den 80ern für das Grips-Musical „Linie 1“ erfunden wurden.

Vor den Berliner Festspielen blinken die Lichterketten des Parkhauses: „Lustig, hast du gehört, das mit dem Hörgerät?“ „Nee, hab meins vergessen.“ Hilka Dirks

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