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momentaufnahmenWenn es um Hunger oder Heimat geht

Das Briesetal ist ein verwunschener Ort. Kahle Erlenstämme ragen mystisch aus dem träge fließenden Flüsschen, über das Biber reihenweise Holzbrücken gelegt haben. Verzückt wandern wir durch den lauschigen Mischwald, der vom Frühling offenbar noch nichts gehört hat und weiter sein graues Gewand trägt. Aber nach einer Weile des forschen Ausschreitens legt sich uns das Grau in Grau von Landschaft und Himmel doch auf die Seele. Vielleicht auch, weil unsere Gespräche zumeist um Trauriges wie Weltlage und Klimakrise kreisen. Oder werden unsere Themen von der grauen Landschaft beeinflusst?

Jedenfalls: Der Weg bis zur Gaststätte, die als Ziel auserkoren ist, wird immer länger. Obwohl uns inzwischen der Magen knurrt, lassen wir die Bockwurst am Forsthaus aus, weil die Speisekarte der Bahnhofsgaststätte Zühlsdorf so verlockend geklungen hat.

Zühlsdorf

2.600 Ein­woh­ner*innen,

ist ein Ortsteil der branden­burgischen Gemeinde Mühlenbecker Land. In der Bahnhofstube gibt es zum Beispiel geschmorte Rinderbacke oder vege­tarisch den Knödelteller „Tiroler Art“.

Als wir endlich dort ankommen, stellen wir fest: Entweder haben wir noch Zeit fürs Essen oder wir nehmen den Bus zurück nach Berlin. Der fährt nur alle zwei Stunden. Immerhin, könnte man sagen – aber so lange wollen wir doch nicht mehr im Grauen bleiben. Und fahren hungrig heim. Susanne Memarnia

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