momentaufnahmen: Wenn Wohnfragen von Bedeutung sind
Ein Frühlingsnachmittag. Das Café mit den goldenen Tassen und hellgrünen Decken hat die Bierbänke ausgeklappt. Ein (sehr wahrscheinlich) Obdachloser kommt auf den kleinen Hof und fragt nach 60 Cent. Es geht ihm nicht gut, das sieht man. Niemand gibt ihm etwas.
Vielen Leuten ist das Unwohlsein anzusehen. Einen Moment lang steht er einfach da. Die Inhaberin kommt raus und fordert bestimmt, aber nicht respektlos: „Bitte verlassen Sie mein Grundstück. Das habe ich Ihnen gestern schon gesagt.“ Wenige Momente später sagt ein Mann zu seiner Begleitung: „In Wien war das Stadtbild völlig unbehelligt. Keine Störungen, kein Graffiti. In Hamburg war das sofort anders.“ Dann sprechen sie über München. Da dürfe sich niemand auf die Domtreppen setzen. „Das ist auch übertrieben“, sagt die Frau. „Wenn sich nicht mal Normalbürger setzen dürfen.“ „Haben wir eigentlich noch den Hotelgutschein für Köln?“, fragt er dann. „Klar“, sagt sie. Er: „Aber da sind die Zimmer immer so klein. Wenn man nicht mal bequem zwischen Bett und der Wand mit dem Fernseher durchkommt …“
Bremen
586.000 Einwohner*innen.
In der zehntgrößten Stadt Deutschlands leben nach Schätzungen 600 wohnungslose und dazu noch mal 150 obdachlose Menschen.
Der Obdachlose steht derweil wieder auf dem Fußweg vor dem Café. Alina Götz
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