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momentaufnahmenWenn auf dem Eis Katz und Maus gespielt wird

Die Relikte des Alltags liegen hier konserviert im Eis: Kippenpackungen, FFP2-Masken und Böller. Durch die klare Eisdecke auf dem Landwehrkanal ist auch eine Spritze zu erkennen, das rote Blut darin glitzert in der Sonne.

Es ist Sonntagmorgen, Kreuzberg schläft noch. Nur ein paar Früh­auf­ste­he­r betreten das Eis, gleiten darüber hinweg – erst zögerlich, dann entspannt, schließlich überschwänglich. Sie drehen Pirouetten, lachen, freuen sich an der Natur. „Ich liebe das Leben!“, ruft einer, der noch und nicht schon wieder wach wirkt.

Berliner Landwehrkanal

11 Kilometer Länge, führt von der Spree durch Kreuzberg, Neukölln, Tiergarten und Charlottenburg zur Spree. Bei der Lichtensteinbrücke im Tiergarten markiert ein Denkmal für Rosa Luxemburg den Ort, an dem die am 15. Januar 1919 ermordete Politikerin in den Kanal geworfen wurde.

„Verlassen Sie das Eis!“, hallt es plötzlich vom gegenüberliegenden Ufer. Der Noch-wach-Mann streckt den Beamten beide Mittelfinger entgegen. „Fuck the police!“, ruft er. „Die wollen uns den Spaß verbieten.“ Dann schlittert er unbekümmert weiter, die anderen tun es ihm gleich. Es entwickelt sich ein Katz-und-Maus-Spiel: Der Einsatzwagen verlässt unter Jubel das Ufer – und taucht plötzlich hinter den Schlitternden auf, diesmal mit Verstärkung. Aber auch die Schlitterfreudigen bekommen Verstärkung. Schließlich sieht die Polizei ein: Sie haben keine Chance gegen die lebensfreudigen Kreuzberger. Lilly Schröder