meinungsstark:
Aufgeblähtes Spiel, teure Karten
„Spiel um Platz 3: Schafft es endlich ab!“, taz vom 20. 7. 26
Der Kommentar regt sich über ein Spiel auf, das seit 1934 zum Turnierformat gehört und dessen Zweck (kleiner Trost, große Show und zusätzliche TV-Gelder) nie ein Geheimnis war. Dass ausgerechnet dieses Randspiel zum Aufreger taugen soll, während die eigentlichen Skandale dieser WM unkommentiert bleiben, sagt mehr über den Artikel als über den Fußball und das globale Milliardengeschäft.
Diese Weltmeisterschaft wurde auf 48 Teams und 104 Spiele aufgebläht. Dagegen haben die Spielergewerkschaft Fifpro und die europäischen Ligen bereits im Juli 2024 formell Beschwerde bei der EU-Kommission eingelegt und rechtliche Schritte vor einem Brüsseler Gericht eingeleitet – mit der Begründung, der übervolle Kalender gefährde Gesundheit und Karrieren der Spieler.
Endspielkarten wurden über ein erstmals eingesetztes dynamisches Preissystem gehandelt, zuletzt für über 20.000 Dollar auf Fifas eigenem Wiederverkaufsportal, Spitzenplätze für rund 33.000 Dollar.
Ein nominierter Schiedsrichter durfte wegen unbelegter „Terror-Verbindungen“ gar nicht erst einreisen, Fans aus 39 größtenteils muslimischen Ländern blieben die Visa verwehrt, und rund um die Stadien fürchteten selbst Essensstandangestellte ICE-Kontrollen nach Abpfiff.
All das wäre wahrscheinlich ausreichend Stoff für eine Anklageschrift gegen die Fifa. Wir lesen hier derweil nur launige Häme über Harry Kanes Bankplatz. Jonas Maria Wagner, Berlin
Unsportliche Haltung
Ich kann nicht so recht nachvollziehen, warum bei den olympischen Spielen jeder scharf auf eine Bronzemedaille ist und bei der WM soll dann ein dritter Platz nichts wert sein. Auch bei Olympia gibt es genügend Wettbewerbe, bei denen die Verlierer der Halbfinale aufeinandertreffen. Keiner wird so abschätzig bewertet wie das Spiel um Platz 3 bei der Fußball-WM. Wenn ich nicht Erster werden kann, will ich auch nicht Dritter sein? Was ist das für eine unsportliche Haltung? Und das Spiel hat genau diese unterstellte Erwartung auch nicht erfüllt. Zumindest vonseiten der Engländer nicht, und als die Franzosen merkten, die machen Ernst, auch von diesen nicht.
Es war ein spektakuläres, aufregendes, schön anzuschauendes Spiel, fern von taktischen Zwängen, die Fußball so oft unansehnlich und ermüdend machen. Diese Ignoranz einer doch beeindruckenden Leistung und schöner Spielzüge nach so vielen Turniertagen hat das Spiel nicht verdient.Maja Steiner, Herzberg am Harz
Vorbereitung Koalition mit AfD
„Die einzig richtige Konsequenz“, taz vom 20. 7. 26
Ich halte den Kommentar für zu gutgläubig: Herr Spahn ist nicht so blöd, dass er die Reaktionen nicht vorausgesehen hätte. Nein, er wird zu dem Schluss gekommen sein, dass die Vorbereitung der nächsten Regierung aus der 2. Reihe leichter sein wird, vor allem, wenn mit der AFD koaliert werden soll.
Martin Bosch, Geestland
Von Bubble zu Bubble
„Danger Dan und Igor Levit: Das hier kannst du tun“, taz vom 17. 7. 26
Das ist schlicht ein Text von der Bubble für die Bubble. Niemand, der den Text feiert, ist sich des Problems nicht bewusst und tut „nichts“ gegen rechts. Und diejenigen, die „nichts tun“ und die man also erreichen müsste, schreckt die unverhohlene Relativierung von Gewaltaktionen eher ab. Und er liefert der Öffentlichkeit wieder unnötiges Futter für die Warnung vor Linksextremismus und lenkt eher davon ab, dass die große Gefahr klar rechts zu finden ist.
Die Leute um Lina E., Maja T. oder die Leute, die bei der Aktion gegen den 3.-Weg-Typen in Berlin schwer verletzt wurden, haben nullkommanichts gegen den Rechtsextremismus erreicht. Deep South auf taz.de
Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Dank Ihnen haben wir nun die 50.000 erreicht. So viele unterstützen freiwillig und regelmäßig. Noch nicht dabei? Werden Sie jetzt Teil der Community! Jetzt unterstützen