meinungsstark:
Song zur richtigen Zeit
„Was tun? Die Debatte über Danger Dan und Antifa-Praxis“, Chefredakteurin Barbara Junge fragt Leser*innen nach ihrer Meinung, taz vom 25. 7. 26
Als ich den Text das erste Mal gehört habe, hab ich mich sehr abgeholt gefühlt. Ich arbeite beim Landkreis für das Bundesprogramm „Demokratie leben!“ und hab in dem Zusammenhang auch schon Erfahrungen gemacht mit der extrem rechten Presse (Junge Freiheit) und ihren Einschüchterungsversuchen.
Ich möchte nicht in einem autoritären Staat leben. Ich möchte nicht, dass meine Kinder und ihre Freund*innen weniger Freiheiten haben, als ich sie hatte und habe. Ich bin überzeugt davon, dass die aktuelle Regierung aber genau das macht: Sie treibt einen autoritären Staatsumbau voran, in einem atemberaubenden Tempo und auf so vielen Ebenen gleichzeitig, dass viele Leute gar nicht mehr mitkommen, weil man gar nicht mehr weiß, wogegen man sich zuerst auflehnen soll, weil alles so scheißig ist.
Insofern kommt der Song in meinen Augen zur genau richtigen Zeit. Er erinnert uns daran, dass wir nicht ohnmächtig sind. Dass wir uns wehren können, und wahrscheinlich auch müssen. Die Debatte darum, ob das nun ein Aufruf zur Gewalt ist und die Methoden nicht eigentlich zu verurteilen wären, finde ich ein bisschen bigott. Aus der urbanen Perspektive ist es einigermaßen leicht zu sagen, wir lehnen Gewalt ab. In der Provinz liegen die Dinge ganz anders. Hier würde sich genaues Hinsehen lohnen, so mancher Großstadtantifaschist würde das mit der Gewaltlosigkeit vielleicht überdenken.
Arlette Heilemann, Cuxhaven
Holt einen aus der Lethargie
Haben Sie, habt ihr das Lied schon gehört? Ja, mehrmals! Den dazugehörigen Liedtext schon gelesen? Mehrmals mit anderen! Steckt darin eine Kraft, sich über das eigene antifaschistische Tun Gedanken zu machen? Aber so was von!
Er holt einen aus der Lethargie, dass man eh nix mehr machen kann. Genauso wie Gisa Flake in der Anstalt (ZDF), die dort schreit: „Man kannn Faschisten nicht argumentativ stellen!!!!“ Aber wir hier haben es noch (?) gut im Revier …
Grüße aus dem Ruhrgebiet, Jürgen
Artikel 20, Absatz 4 Grundgesetz
Für mich geht der Inhalt des Songs nicht so weit, nicht im ÖRR ausgestrahlt werden zu können. Artikel 20, Absatz 4 Grundgesetz gibt ganz klar die Möglichkeit, wenn nichts anderes mehr hilft, auch „Gewalt“ anzuwenden, um die Abschaffung der Demokratie abzuwehren. Nichts anderes besingt Danger Dan. Der ÖRR hat gar kein Problem damit, Faschisten eine Bühne zu bieten. Ohne direkte Faktenchecks und ohne viele Wiederworte dürfen Weidel und Co ihre Fake News verbreiten. Mit False Balancing haben sie auch kein Problem. Warum dann „Keine Angst“ canceln? Vorauseilender Gehorsam hat gegen Faschisten noch nie geholfen!
Paul Hennink
Das Gefühl nicht allein zu sein
Ich kann diesen Bohei über den Text ja nicht nachvollziehen. Er trifft mein Gefühl sehr gut, die Angst, was nach den Herbstwahlen passieren könnte, die Unsicherheit, was ich dagegen tun kann. Den Liedtext kann ich ohne Anmerkung unterschreiben. Das ZDF kommt seiner Aufgabe nicht mehr nach, gibt lieber Sendeplatz an Mitglieder der AfD, damit ihre unsäglichen Parolen gehört werden, kritische Texte werden gecancelt!?!
In meinem kleinen Dorf in Bayern rede ich am Stammtisch gegen Menschenfeindlichkeit und Hetze gegenüber Migrant:innen an, klebe Sticker. Mehr mache ich leider nicht. Die AfD ist hier relativ schwach aufgestellt, aber leider auch im Kreistag vertreten. Ich freu mich sehr über dieses Lied, es gibt mir das Gefühl, nicht allein zu sein. Und an dieser Stelle ein riesiges Dankeschön an euch. Ihr macht alle eine tolle Arbeit.
Friedliche Grüße aus der Oberpfalz Harry de Boor
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