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meinungsstark

Menschen hungern

„Freifahrtschein fürs Niederknüppeln von Protesten“, taz vom 27. 5. 26

Ich lebe im Rahmen eines Praktikums in Bolivien und bin sehr enttäuscht über den Artikel, der den aktuellen Kontext der Situation weitgehend ausblendet. Die große Mehrheit der Menschen hier – über soziale Schichten hinweg – fordert ein entschlosseneres Vorgehen der Regierung gegen die Blockaden, da sie massiv unter deren Folgen leiden: Engpässe bei Lebensmitteln, Treibstoff und Sauerstoff in Kliniken prägen den Alltag. Die Lage ist extrem ernst; bei vielen Grundnahrungsmitteln haben sich die Preise mehr als verdreifacht. Menschen hungern. Zunehmend versuchen Menschen selbst, die Blockaden aufzulösen, weil der Staat dies nur sehr begrenzt tut.

Als politisch links eingestellter Mensch muss ich mein „deutsches“ Links-rechts-Denken hier immer wieder reflektieren. Es greift zu kurz, der Regierung in der aktuellen Situation Militarisierung vorzuwerfen und die Proteste als gerechten Aufstand der Bevölkerung gegen wirtschaftliche Liberalisierung zu framen. Die Lage ist komplexer: Der ehemalige Präsident Morales, gegen den ein Haftbefehl vorliegt, ist in die Proteste verstrickt und finanziert diese mutmaßlich mit – auch durch Einnahmen aus dem Drogenhandel. Die Blockierenden nehmen bewusst eine humanitäre Krise in Kauf, um das Land zu destabilisieren. Es geht inzwischen kaum noch um legitimen Protest gegen konkrete politische Maßnahmen, sondern vielmehr um einen Aufstand gegen den Verlust von Privilegien und Macht.

Bisher hat sich die Regierung äußerst zurückhaltend und menschenrechtskonform verhalten: Militär und Polizei sind bislang ohne potenziell tödliche Waffen im Einsatz. Todesfälle gehen derzeit auf das Handeln der Blockierenden zurück, nicht auf Militär oder Polizei. Zudem betont die Regierung kontinuierlich ihre Dialogbereitschaft: Sie hat bereits ein Gesetz im Bereich Landwirtschaft zurückgenommen, sich mit protestierenden Lehrkräften geeinigt und die eigenen Gehälter um 50 Prozent gekürzt. Elias Biermann, El Alto, Bolivien

Mut zum Handeln

„Die Grünen wollen nicht rosten und lassen sich lieber rösten“, taz vom 1. 6. 26

Von welchem Impuls wurde der Autor gesteuert, als er den Artikel über „IM/PULS – Forum für Zukunft“, veranstaltet von den Grünen, verfasste? Eine sinnfreie Überschrift garniert mit dem Foto einer Kabarettistin aus dem Jahre 2023! Die Idee zu der Veranstaltung kommentiert Schulze mit „Was man eben so macht, wenn man in der Opposition sitzt und Zeit hat, über sich nachzudenken“.

Nach unserem Erleben und dem aller, mit denen wir uns ausgetauscht habe, war es eine großartige, vielseitige, hochinteressante, motivierende Veranstaltung. Es ist müßig, jetzt einen Kommentar zu einzelnen Foren, Diskussionsrunden, Fish-Bowls, Workshops auf 8 Bühnen mit 80 Speakern abzugeben. Die Palette der Themen waren so vielseitig, dass mit Sicherheit jeder der rund 1.000 Teilnehmenden sich ein passgenaues Programm zusammenstellen konnte. Und das Wichtigste: Du kommst mit jedem ins Gespräch, es entwickelt sich eine gewisse Form von Optimismus in diesen rundum schwierigen Zeiten. Gemeinschaft stiftet Mut zum Handeln, macht Lust, sich zu engagieren. Und darum geht es doch, oder?

Inge Bruckmann und Agnes Hampel, Berlin

Schleichender Prozess

„Das Leuchten der Glut in Nahaufnahme“, taz vom 26. 5. 26

Auch ich fing als junger Mensch mit dem Rauchen an, weil es cool war. Ich rauchte 40 Jahre lang, bis ich die Diagnose COPD bekam. Es war ein böses Erwachen. Sofort hörte ich auf damit. Es fiel mir nicht schwer. Das ist jetzt sechs Jahre her. Wirklich tief einatmen kann ich nicht mehr. Und bei aller Coolness, es ist nicht so, dass man ein Leben lang genüsslich rauchen kann und dann eben tot umfällt. Es ist ein schleichender Prozess, der einem nach und nach die Luft nimmt in dieser wunderbar toxischen Beziehung zum Glimmstengel. Name ist der Redaktion bekannt

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