meinungsstark:
Glückliche Mineralölkonzerne
„Ein Jahr Schnieder, aber keine Partylaune“. Engpässe bei Sprit schließt der Verkehrsminister nicht aus, Tempolimit lehnt er ab, taz vom 6. 5. 26
Tja, die Senkung der Spritsteuer – ein voller Erfolg. Zumindest, wenn man Mineralölkonzerne glücklich machen wollte. Ähnlich grandios lief ja schon die Idee, Preissteigerungen an Tankstellen nur einmal täglich zuzulassen. Profitieren durfte am Ende eine erstaunlich kleine Gruppe: Genau, es waren die gleichen großen Player wie immer. Wer hätte das geahnt? Offenbar überschätzt die Politik hartnäckig die Kooperationsbereitschaft dieser Branche. Die Realität liefert regelmäßig Gegenbeweise. Statt weiter auf dieses Prinzip Hoffnung zu setzen, könnte man es aus meiner Sicht viel einfacher lösen: Menschen mit geringem Einkommen gezielt entlasten. Über den Einkommensteuerausgleich ließe sich ein Teil der zuvor gezahlten Abgaben zurückholen. Geld, das ohnehin schon in Form von Energiesteuern geflossen ist. Das Ganze hätte zwei Vorteile: Es käme dort an, wo es wirklich gebraucht wird, und die üblichen Profiteure könnten ihre wenig überraschenden Spielchen nicht endlos fortsetzen. Aber gut, vielleicht wäre das ja viel zu naheliegend.
Achim Bothmann, Hannover
Über Geschmack lässt sich streiten
„Wie angewurzelt am Kreisverkehr stehen“, Neuer Song der Rolling Stones taz vom 7. 5. 26
Ein Werbevideo über einen Sparschäler wäre unterhaltsamer gewesen als Julian Webers „Ich mag die Stones nicht“-Genöle. Was hat er erwartet? Ein Jazz-Fusion-Album à la Tomasz Chyła? Ja und dass die sich in dem Alter mit Furchen im Gesicht noch in die Öffentlichkeit trauen. Unverschämt. Was bitte ist ein Generationsübergreifender Allzweckreiniger? Hat Julian zu viel Werbung vom Seventh Generation All Purpose Cleaner konsumiert? Den gibt es wirklich. Brexit-Befürworter wie Nigel Farage würden sicher keinen Text wie „England Lost“ schreiben: „Had a girl in Lisbon, a girl in Rome. Now I’ll have to stay at home“ De gustibus non est disputandum, aber fair bleiben !
Ulrich Hoyer, Bonn
Herabwürdigender Bericht
Schalkes Rückkehr in die erste Liga: „Nicht mehr wirklich cool“,
taz vom 3. 5. 26
Liebe taz, ich war sechs Jahre Redakteur der taz. An der Seite von Bettina Gaus in Bonn, als Berliner Lokalchef und als Chef der taz NRW. Ich habe als Journalist viel Mist geschrieben. Aber nie dermaßen herabwürdigend über eine ganze Region und einen Verein, wie das Elke Wittich in ihrem Artikel über den Aufstieg von Schalke 04 getan hat. Gelsenkirchen die „hässlichste Stadt Deutschlands“? Frau Wittich scheint in Deutschland noch nicht rumgekommen zu sein. Und Gelsenkirchen kennt sie offenbar auch nicht. Ich empfinde ihren Artikel als überheblich, eitel und ahnungslos. Mit freundlichen Grüßen an meine ehemaligen Zeitung, die ich immer geliebt habe.
Markus Franz, Berlin
In Psychiatrie investieren
Amokfahrt in Leipzig: „Poller gegen Männer“
taz vom 5. 5. 26
In der Schule wäre die Note eine 6, weil Thema verfehlt. Der Täter war kurz vorher stationär in der Psychiatrie. Offensichtlich ist es der Psychiatrie wieder einmal nicht gelungen, eine Beziehung zu einem Patienten aufzubauen. Eine solche Amokfahrt macht keiner spontan. Besser wäre es , in die Bedingungen der Psychiatrie zu investieren statt in Poller. Natürlich ist die Mehrzahl solcher Täter männlich. Aber das ist nicht das zentrale Problem.
Stefan Baake, Leverkusen
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