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meinungsstark

Ungarn geht jetzt voran?

„Wahlausgang in Budapest: Rechter Star verglüht“,

taz vom 14. 4. 26

In den letzten 16 Jahren war Ungarn medial vor allem eins: ein viel beachtetes Versuchslabor für den Illiberalismus. Aber die Demokratie in Ungarn ist lebendig wie nie zuvor und das nicht zuletzt dank Orbán und seinem gescheiterten Versuch, eben diese abzuschaffen. Denn Tisza und Péter Magyar mögen gewonnen haben, aber wenn man sich in Ungarn umhört, zeigt sich schnell: Es herrscht Misstrauen gegenüber dem kommenden konservativen Machthaber und seiner 2/3-Mehrheit – er ist eben nicht der perfekte Kandidat. Und diesen muss es in der Demokratie auch nicht geben: Jede Regierung soll kritisch beäugt und im Zweifel abgewählt werden können. Das wurde eindrücklich gezeigt bei der gestrigen Wahl.

Und jetzt? Der Aufbruchswille war am Wahlabend überall zu spüren: Gute Chancen also, dass Ungarn erneut zum Versuchslabor wird. Dieses Mal aber eben für Demokratie und hoffentlich mit genügend Strahlkraft für alle vom Autoritarismus bedrohten Länder Europas. Philipp Niese, Leipzig

Der Albtraum in Ungarn ist mit der 2/3-Mehrheit für Tisza vorbei. Hoffentlich wird die Selbstbedienung durch jahrelange Vetternwirtschaft und Korruption von Orbáns Fidesz juristisch aufgearbeitet. Für Deutschland schöpfe ich Hoffnung, dass die AfD wieder in der Bedeutungslosigkeit verschwindet und keine Chance erhält, in einem Bundesland die allgemeine Schulpflicht abzuschaffen und Bildungschancen für alle zu kappen. Ich wünsche mir, dass die Demokratie wehrhaft bleibt, sich weiterentwickeln kann und vor allem: überlebt! Elke Wetzel, Frankfurt am Main

Frauen sind also das größte Übel?

„Laute Frauen in der Bahn: Der Sekt-Vierer“, taz vom 2. 4. 26

Nachdem die Berliner Verkehrsbetriebe (BVG) Anfang des Jahres schon mit dem Poster über die Lärmbelästigung durch junge telefonierende Frauen negativ aufgefallen sind, legen sie direkt nach mit einem sexistischen Poster, das eine junge (verpixelte) Frau in Sneakern und rosa Jogginganzug mit Handy in der Hand zeigt, wie sie auf zwei Sitze ausgebreitet sitzt. Titel des Bildes: „Mach Sitz. Und mach Platz“.

In gewohnter BVG-Doppeldeutigkeit also eine Bitte, Plätze für Bedürftigere freizugeben – indem man eine Frau wie einen Hund anspricht. Wieder ist es nicht der Manspreader,der zu viel Raum einnimmt, nein, es ist die nervige, am Handy daddelnde, Jogginganzug tragende Frau, die so dreist ist, zwei Plätze zu beanspruchen, dass man sie ruhig im Imperativ augenzwinkernd (!) entmenschlichen kann – immerhin hat sie genervt. Und was ist mit den pöbelnden (alkoholisierten) Männergruppen und übergriffigen Mitreisenden, die in der Bahn echte Sicherheitsbedenken auslösen und nicht angesprochen werden von der BVG? Jana Hüdepohl, Berlin

Benzinpreise. Konzerne verdienen

„Langsam fahren ist billig“, taz vom 12. 4. 26

Wieder wird so getan, als hätten wir es hauptsächlich mit einem Aufsichtsproblem zu tun, obwohl wir in Wahrheit ein Strukturproblem haben. Natürlich ist es sinnvoll, wenn das Kartellamt mehr sehen, schneller reagieren und schärfer eingreifen kann. Aber das löst nur dann das Kernproblem, wenn das Kernproblem tatsächlich illegale Absprachen oder offener Machtmissbrauch sind. Was wir gerade erleben, ist aber fast schon eine bittere Ironie moderner Regulierung: Wir haben mit der Markttransparenzstelle ein System geschaffen, das eigentlich Fairness fördern sollte – und gleichzeitig dafür sorgt, dass sich Preise in Echtzeit angleichen können, ohne dass jemand noch zur Konkurrenz fahren muss, um zu schauen, was passiert.

Früher musste man beobachten, vergleichen, reagieren. Heute reicht es, dass einer den Preis setzt – und alle anderen sehen sofort, wo die Grenze liegt. Formal ist das Wettbewerb. Praktisch entsteht daraus oft ein stilles Gleichgewicht, das sich erstaunlich stabil nach oben orientieren kann.

Jan Helge Mohr, ohne festen Wohnsitz

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen