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meinungsstark

mein karfreitag

du solltest also für mich sterben …

ich bat dich sicher nicht darum.

an einem holzkreuz zu verderben

ist wirklich schrecklich, doch: warum?

für meine sünden, armer heiland,

werd ich wohl selber geradestehn.

du musstest nicht, verzeih den einwand,

für mich durch diese hölle gehn.

versteh auch gar nicht deinen alten,

was der sich von dem akt verhieß;

und ich soll noch für liebe halten,

dass er im stich dich hängen ließ?

der ganze plan war ziemlich käse,

gottvater, sohn und heil’ger geist.

die welt kam nicht aus der malaise,

wie ja wohl die bilanz beweist.

und auch ihr andern fakultäten

vom arbeitskreise religion,

man sieht euch auf der stelle treten,

der welt mit tod und teufel drohn.

doch opfer hat’s genug gegeben,

von gräbern geht kein segen aus,

nur wenn wir für einander leben,

dann wird vielleicht ein schuh mal draus.

hans reinhold, bispingen

Befindlichkeiten

Wir spielen nicht mit bei eurem Gedächtnistheater“,

wochentaz vom 20. – 27. 3. 26

Wer ist „wir“ in der Überschrift und im Text? Der gut geschriebene metaphernreiche Text gehört in ein Satiremagazin, aber nicht in eine Tageszeitung, die informiert und analysiert. Tut mir leid. Die Redaktion hat hier einen Fehlgriff getan. Es geht nicht um die Befindlichkeit des Autors Dennis Chiponda, sondern um eine Informationsquelle, die ohne Spott vielleicht für sehr viele Menschen im Land und darüber hinaus von legitimem Interesse ist. Ich weiß es nicht und fühle mich im Stich gelassen. Manfred Briegel, Bonn

Reaktionäre Entwicklung

Die SPD hat ihre Seele verloren“, taz vom 27. 3. 26

Als ich jung war, habe ich von der modernen SPD profitiert. In Hamburg war das Schulsystem modern, es durfte nicht geprügelt werden, auch Arbeiterkinder hatten eine Bildungschance. Die Frauen in der SPD kämpften gegen Paragraf 218. Besonders in Hamburg hat sich die SPD vehement dem Umweltschutz verschlossen. Erinnert euch an die Vernichtung des Dorfes Altenwerder, die Atompolitik, Seveso-Gift in Hamburg.

Deswegen haben sich junge Leute nicht mehr in der SPD engagiert, deswegen entstanden Bürgerinitiativen, deswegen wurden die Grünen (in Hamburg die Bunte Liste) gegründet. Die ArbeiterInnen gingen mithilfe der Gewerkschaften gegen Umweltschützer vor. In den Arbeitermilieus wurde und wird außerdem eine Feindlichkeit gegenüber Studierenden, WissenschaftlerInnen und AkademikerInnen gepflegt, wobei zum Teil reaktionäre Einstellungen entstanden und entstehen, die mit einem sozialdemokratischen Programm nichts mehr zu tun haben. In diesem Konflikt befindet sich die SPD genauso wie die Gesellschaft. Jeannette Kassin, Hamburg

Deutsche Kunst

Kulturstaatsminister will Bayreuth den Stecker ziehen“,

taz vom 1. 4. 26

Wagners Antisemitismus wird seit jeher hinreichend breit diskutiert; nun hat auch Minister Wolfram Weimer „Informationen“ und „Hinweise“, Wagner sei kein Demokrat gewesen und mit der freiheitlichen demokratischen Grundordnung (FDGO) nicht kompatibel – hört, hört! Wenn man mal den anachronistischen Hinweis auf die FDGO beiseitelässt, so würde mangelndes Demokratiebewusstsein und Antisemitismus den Großteil der prägenden deutschen „Dichter und Denker“ von jeglicher posthumen Förderung ausschließen.

Dirk Heinen, Kall

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