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meinungsstark

Züge verschrottet in großem Stil

„Bahn-Bilanz für 2025: Milliardenverlust trotz Fahrgastrekord. Die Deutsche Bahn steckt mitten in der Sanierung. Bis die Züge in der Regel pünktlich fahren, dürfte es aber noch dauern,“ taz vom 27. 3. 26

Die Bahn hat in den letzten Jahren für Milliarden neue ICE beschafft, die sicher auch die Bilanz mächtig beeinflusst haben. Auf der anderen Seite hat sie Hunderte IC-Wagen und auch fast 100 noch bestens brauchbare Lokomotiven ausgemustert und zum Großteil schon verschrottet. Sogar ältere ICE wurden und werden schon verschrottet, statt sie zu modernisieren oder zu reparieren. In Mukran und Leipzig-Engelsdorf kann man sich ansehen, wie „robust“ da mit den Vermögenswerten der Bahn umgegangen wird – sicher eher noch ein Ergebnis des Vorgängers von Frau Palla.

Gebot der Stunde wäre jedoch, die Substanz zu erhalten und zu modernisieren – für weniger Geld, statt so viel in den Schrott zu werfen. Die Eisenbahn steht eigentlich für Langlebigkeit, hat das mit der Modernisierung der ICE1 schon mal gezeigt und 10.000 Tonnen Stahl gegenüber dem Neubau gespart. In den letzten Jahren wurde jedoch das Gegenteil praktiziert. Keine andere Bahnverwaltung in Europa erlaubt es sich, so gutes rollendes Material außer Betrieb zu nehmen! Henry Risse, Aachen

Die Äußerung von Bundesverkehrsminister Patrick Schnieder, dass der Zustand der Deutschen Bahn AG demokratiegefährdend sei, ist gleichzusetzen mit dem Feuerwehrmann, der Brände legt. Über Jahrzehnte wurden abgehalfterte Politiker wie Kanzleramtsminister Ronald Pofalla (CDU), der bayrische Verkehrsminister Otto Wiesheu, MdB Klaus Daubersthäuser (SPD), Ministerialbeamter Lewin Holle, Staatssekretär Johannes Ludewig im Bahnvorstand entsorgt. Und auf der Bank der Kapitalseite im Konzernaufsichtsrat sitzen und saßen entsandte Vertreter der Bundesregierung.

Was haben die, außer dem Kassieren unangemessener Gehälter und Boni, in den letzten 32 Jahren noch gemacht? Das System Bahn ruiniert! Günther Kinscher, Bebra

Russisch? Eine lange Geschichte

„Eine Feuerwehr für den Streit übers Russischsprechen. Mit Quizfragen geht der Verein Makosa politische Bildungsarbeit an. Entstanden ist die Idee in den Post-Ost-Communitys“, taz vom 28. 3. 26

Vielen Dank für diesen Bericht über das Quiz zu „russischsprachigen“ Menschen in Deutschland. Was im Artikel jedoch fehlt, ist eine zentrale Einordnung: Warum sind Menschen überhaupt „russischsprachig“? Ohne diese Differenzierung besteht die Gefahr, ungewollt Narrative zu reproduzieren, die auch vom Kreml bedient werden – nämlich die Vorstellung einer homogenen „russischsprachigen Gemeinschaft“ mit gemeinsamen Interessen und Identitäten.

Dabei wird übersehen, dass viele Menschen, insbesondere aus der Ukraine, nicht freiwillig russischsprachig sind, sondern historisch russifiziert wurden. Ihre eigenen Sprachen und kulturellen Ausdrucksformen wurden systematisch unterdrückt. Ukrainisch zu sprechen konnte über Generationen hinweg Repression, Verfolgung und in vielen Fällen Deportation oder Lagerhaft bedeuten. Diese Geschichte wirkt bis heute nach und gerade deshalb ist es problematisch, wie der Artikel „russischsprachige Menschen“ darstellt: Die notwendige historische Einordnung fehlt vollständig. So entsteht der Eindruck einer homogenen Gruppe, obwohl Sprache hier oft Ergebnis von Zwang, Unterdrückung und imperialer Politik ist.

Gesellschaftlicher Zusammenhalt kann aber nur gestärkt werden, wenn solche Differenzierungen sichtbar gemacht werden. Andernfalls besteht die Gefahr, bestehende Stereotype zu verfestigen und Perspektiven zu übergehen, die gerade jetzt während des aktuellen russischen Angriffskrieges gehört werden sollten. Oleksandra Bienert, Berlin

Liebe tazler, danke für eure unaufgeregten Artikel jenseits von Trump. Ich genieße es gerade, eine Zeitung zu unterstützen, die sich darin erfrischend klar vom Spiegel unterscheidet. Schön, dass es euch gibt! Georg Helmes

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