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meinungsstark

Polemik und Provokation

„Mit Vollgas gegen die Brandmauer. Eine Begegnung mit Ulf Poschardt“

wochentaz vom 31. 1. bis 6. 2. 26

Lohnt es sich, Ulf Poschardt so viel Raum einzuräumen? Man bedient damit sein Bedürfnis nach Aufmerksamkeit, die er durch Provokationen erreicht. Inhaltlich hat er ja nicht viel zu bieten. Er setzt sich gegen die Einengung des Raums des Sagbaren ein, also für Meinungsfreiheit nach seinem Verständnis. Ich sehe in den letzten Jahren eher eine Ausweitung des Raums des Sagbaren rund um alternative „Fakten“, persönliche Angriffe und Polemik auf sehr niedrigem Niveau. Dazu hat Poschardt meines Wissens stark beigetragen. Ich würde aber schon gern an den Unterschieden zwischen Fakten und Meinungen und zwischen Hetze und Meinungsäußerung festhalten. Er beklagt sich, dass „wir […] so aufeinander losgehen“, und meint, eventuell zum Brückenbauer werden zu müssen. Vielleicht könnte er einfach damit anfangen, weniger zu provozieren, und die Medien, auch die taz, könnten viele seiner Äußerungen einfach ignorieren. Damit wäre viel gewonnen.

Eduard Belotti, Augsburg

Nicht nur hebräische Bücher

„In den Straßen Tel Avivs“,

wochentaz vom 31. 1. bis 6. 2. 26

Die Ausführung im Artikel zu Micha Ullmans Denkmal zur Erinnerung an die Bücherverbrennung am Berliner Bebelplatz, „[…] das an den Versuch erinnert, die hebräische Sprache zu vernichten“, trifft leider so nicht zu beziehungsweise ist ex­trem verkürzt. Es entstand als Ergebnis eines öffentlichen Kunstwettbewerbs in den 90er Jahren, dessen Wettbewerbsaufgabe die Erinnerung an die Bücherverbrennung am 10. 5. 1933 auf dem Bebelplatz war. Damals waren von faschistischen Studenten in einem inszenierten Akt der Zerstörung die Arbeiten einer Vielzahl liberaler, sozialdemokratischer, sozialistischer und kommunistischer Au­tor*in­nen aus den Beständen der Universitätsbibliothek verbrannt worden. Es handelte sich um Werke in diversen Sprachen und unterschiedlichsten Kunst- und Denkrichtungen, nicht nur um Bücher im Hebräischen. Erich Kästner, der auch zu den „verbrannten Autoren“ gehörte und sich zum Ort des Geschehens wagte, beschrieb das sehr anschaulich. Inszenierte Bücherverbrennungen fanden parallel in mehreren Universitätsstädten statt. Sie waren der propagandistische und gewalttätige Höhepunkt der reichsweiten „Aktion wider den undeutschen Geist“.

Sabine Flohr, Berlin

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