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meinungsstark

Herabsetzend und frauenfeindlich

„Wenn ich mei­ne Freun­d:innen eine ‚Fotze‘ nenne, ist das als Kompliment gemeint“,

wochentaz vom 3. 1. bis 9. 1. 25

Diese Umdeutung ist kein „Mainstream“, und der Benennung einer Frau als „Fotze“ folgen oft Taten wie sexuelle Übergriffe und Femizide. Ich finde erstaunlich, dass im Artikel die „gemischte Resonanz“ über die solchermaßen bezeichnete Jacke der Freundin kein Innehalten auslöst, um über die Wirkung von Sprache in einem Bedeutungskontext nachzudenken, der bei diesem Begriff seit Jahrhunderten negativ, herabsetzend, beschämend und frauenfeindlich ist. Die Umdeutungsversuche dieses Begriffes in einer Zeit, in der Gewalt gegen Frauen zunimmt, erlebe ich konfliktvermeidend. Dieser Konflikt besteht seit Langem und ist gekennzeichnet durch Rollen zuschreibende Erwartungshaltungen gegenüber Frauen, die unter anderem durch Herabstufung als Teilobjekt (Geschlecht wird als „Fotze“ entwertet) degradiert werden, um sie dann als „gefügigen Gegenstand“ behandeln zu können, was Schuldgefühle mindert und Angst vor ebendiesem machtvollen, fruchtbaren Geschlecht vermuten lässt, die verleugnet wird. Eine kreative Gegenwehr war und ist der Begriff der Vagina dentata. Eine Frau beschrieb in einer Ausstellung im Frankfurter Haus der Kulturen diese mit Zähnen bewaffnete Vagina als stets verfügbare, schützende Fantasie. Sprache schafft Atmosphäre, und diese färbt Handlungen. Ich werde diesen Begriff weder verwenden noch vermissen, wenn er im Sinne einer Sprachweiterentwicklung aus dem Sprachgebrauch verschwindet wie viele andere diskriminierende Bezeichnungen. Emanzipatorische Grüße

Elke Wetzel, Frankfurt am Main

Richtige Entscheidung

wochentaz

Seit Jahren verfolge ich mit Interesse Euer Projekt. Immer wieder war ich drauf und dran zu abonnieren. Jetzt habe ich es mit der wochentaz getan und freue mich jeden Samstag auf die Printausgabe im Briefkasten. Gemütlich auf dem Sofa bei einer Tasse Tee erst mal aufblättern und schauen, welche Themen ihr aufbereitet habt. Hängen bleiben da wo’s mich am meisten interessiert. Das ist für mich das Schöne an Print: Da drängelt nichts, da pushed nichts up, da kannst du dich auf das konzentrieren, was dir wichtig ist.

Es ist tatsächlich so: Durch Radio und Internet sind die tagesaktuellen Nachrichten ständig abrufbar. Hintergründe werden recherchiert und sind zeitnah verfügbar. Da ist die morgendliche Tageszeitung bereits überholt. Ich glaube, Eure Entscheidung, die tägliche Printausgabe einzustellen, war richtig und weitsichtig. Mit den großen überregionalen Zeitungen, FR oder SZ, könnt ihr nicht konkurrieren, dazu ist das Projekt taz zu klein und exotisch. Wichtig wäre, Euch thematisch abzuheben und den Themen Gehör zu verschaffen, die im Mainstream untergehen. Und auf die Themen einen kritischen Blick zu werfen, die aus wirtschaftlichem Interesse gehypt werden. Sehr schön der Artikel von Waltraud Schwab „Welterfahrung aus zweiter Hand“ über KI. In seinem neuen Buch „Künstliche Intelligenz und der neue Faschismus“ enthüllt Rainer Mühlhoff, Professor an der Uni Osnabrück, die dahinterstehenden antihumanistischen Ideologien und wie sie sich mit den ökonomischen Interessen der Techkonzerne und autoritären politischen Bewegungen verbinden, zu besichtigen gerade in den USA (MAGA). Ich wünsche Euch ein erfolgreiches Jahr 2026! Mit solidarischen Grüßen

Inge Kaufmann, Berlin

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