meinungsstark:
Demokratie nicht zu retten
„Sind die USA noch zu retten?“,
wochentaz vom 1. 11. bis 7. 11. 25
Die Autor*innen schildern zwar auf den Punkt, was gerade alles massiv schiefläuft in den USA, scheuen jedoch die Antwort. Meine Wertung ist klar: Die Demokratie in den USA kann vorerst nicht mehr gerettet werden. Die Bürger der USA haben im Juni und im Oktober nur zwei nationale Proteste organisiert, die Teilnahmequote von zuletzt 2 Prozent (7 von 340 Millionen) war schwach. Grund dürfte sein, dass Trump genau das macht, was sich die weiße Mehrheit zu guten Teilen insgeheim wünscht: ihre Vorherrschaft wiederherstellen und den Staatsapparat zerstören. Dafür opfert man gerne demokratische Strukturen.
Alle Nichtweißen müssen derweil um ihre Freiheit fürchten, zeigen sich also nicht so öffentlich, wie sie es eigentlich sollten. Währenddessen sind die Checks & Balances mit einem vom Präsidenten gesteuerten Supreme Court und einer Trump-getreuen Generalstaatsanwältin außer Funktion. Es scheint eine klare Vereinbarung zu geben: Trumps Stab hilft den Hintermännern von Project 2025, ihre Agenda konsequent umzusetzen, während Trump sich persönlich an seinem Amt bereichern darf. Die Democrats repräsentieren immer noch das verhasste Washingtoner Establishment und sind nicht als Opposition vereint. Die Mehrheit der Amerikaner wird das nicht kümmern, solange die Wirtschaft läuft. Für Deutschland sollte das eine Warnung vor Altparteien-Müdigkeit, Populismus und Regierungs-Hintermännern sein!
Christoph Behrendt, Schorndorf
Pumuckl-Stimme ist KI-generiert
„Lob des Ungehorsams“, wochentaz vom 18. 10. bis 24. 10. 25
Auffällig bei den vielen Pumuckl-Besprechungen ist, dass trotz des korrekten Aufrollens der Entstehungsgeschichte der geniale Sprecher Hans Clarin mit keinem Wort erwähnt wird. Auch das Produktionsteam des aktuellen Spielfilms erwähnt seine stilbildende Leistung nicht. Das hat vielleicht rechtliche Gründe. Die neue Pumuckl-Stimme ist KI-generiert, und es ist davon auszugehen, dass das Programm mithilfe der alten Aufnahmen trainiert wurde. Das heißt, hier wurde möglicherweise unautorisiert Clarins geistiges Erbe verwurstet. Zumindest fände ich es interessant, hier die Kunstpraxis einmal genauer zu recherchieren, besonders, da die Politik bislang wenig Interesse am Schutz des geistigen Eigentums von Künstler*innen gegenüber KI-Unternehmen zeigt.
Veit Sprenger, Berlin
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