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„junge Welt“ soll nun doch weiter erscheinen

■ Überleben trotz Konkurs?

Berlin (taz)– Daß eine Tageszeitung dichtgemacht wird und ein paar Tage später wieder, und dann in Belegschaftsregie, erscheint, passiert nicht alle Tage. Am Donnerstag vergangener Woche war die letzte Ausgabe der jungen Welt erschienen, einst das Blatt der „Freien deutschen Jugend“ der DDR mit Millionenauflage, am heutigen Donnerstag bekommen die 17.500 Abonnenten zumindest wieder eine vierseitige Notausgabe. Ab Dienstag nach Ostern soll der Umfang dann 16 Seiten betragen. Das gab gestern der künftige Verlagsleiter Dietmar Koschmieder, bislang Betriebsratsvorsitzender, bekannt. Er wird als einer von zwei Geschäftsführern im Auftrag des existierenden Mitarbeitervereins eine GmbH leiten. Die junge Welt wird damit von der Mediengruppe Schmidt & Partner getrennt. Für drei Monate, so Koschmieder, sei die Herstellung durch Privatkredite und Darlehen von Mitarbeitern gesichert.

Für die Rechte an Titel und Abonnentenkartei habe man an die Mediengruppe Schmidt & Partner gezahlt – wieviel, wollte Koschmieder nicht sagen. Er bestätigte Meldungen, wonach der in Konkurs gegangene Verlag noch kurz zuvor einen Großteil der Abonnentengelder für das zweite Quartal eingezogen hat. Die Lieferverpflichtung für sie werde man übernehmen.

Wie der künftige Chefredakteur Klaus Behnken, bislang Ressortleiter des Feuilleton, mitteilte, machen 70 Prozent der alten Redaktion weiter, jedoch nicht der bisherige Chefredakteur Oliver Tolmein. Er wolle „den Gremliza- Kurs weiterführen“, erklärte er gestern. Hermann Gremliza hatte das Blatt seit letzten Mai auf konkret-Linie gebracht, den Verfall der Auflage aber dadurch nur verlangsamen können. Bei knapp 20.000 verkauften Ausgaben war letzte Woche Schluß.

Jetzt rechnet man auf die Solidarität der Abonnenten und hofft, daß bis Juli nicht mehr als 24 Prozent der bisherigen Abonnenten verlorengehen. Dann, so die Kalkulation, könne man weitermachen. Michael Rediske

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