jenseits der seitenwende: Täglich eine gedruckte taz? Gibts im Cafe Hagen in Heilbronn
Foto: privat
Es gibt ein Café in Deutschland, in dem die tägliche taz ausliegt, obwohl sie nur noch als Wochenzeitung gedruckt erscheint; das Café Hagen in Heilbronn. „Wir müssen doch schauen, dass die Leute lesen und miteinander reden können“, sagt Geschäftsführer Hanspeter Hagen, „und nicht nur jeder in seine Maschine glotzt.“ Jeden Morgen druckt ein Mitarbeiter die digitale taz aus, farbig und in Originalgröße und spannt sie dann in einen Zeitungshalter ein. „Ich bin der einzige in der Umgebung, der überhaupt noch Zeitungen auslegt“, sagt Hagen. Sein Familienbetrieb, 1934 gegründet, lehnt sich an den Wiener Caféhausstil an, politische Lesekultur gehört unbedingt dazu, politische Veranstaltungen auch.
Das Café und die dazugehörende Rösterei befinden sich seit 1994 im „Hawaii-Viertel“, einem sozialen Brennpunkt. Die Leute kommen nicht zufällig, sondern bewusst zu ihm. Die taz gehört für Hagen unbedingt ins Angebot, er ist auch seit vielen Jahrzehnten taz-Genosse, deshalb war er zunächst auch unglücklich, dass sie im vergangenen Oktober auf digitales Erscheinen umstellte. Dann sagte er sich: „Man muss etwas versuchen, auch wenn es nicht mehr geht“, und seither druckt er seine taz selbst. Peter Unfried
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