heute in Bremen: „Gewaltige Aufgabe“
Integration Die DIG diskutiert über das multikulturelle Zusammenleben in Israel
37, lebt seit 10 Jahren in Israel und arbeitet als Pflegehelfer sowie als freier Journalist, unter anderem für die Jungle World.
taz: Herr Vrankovic, Sie sagen dass die multikulturelle Vielfalt Israels eine „unglaubliche Herausforderung“ darstellt. Warum?
Oliver Vrankovic: Viele der Einwanderer kamen aus undemokratischen Staaten. Alle hatten einen unterschiedlichen kulturellen Hintergrund und unterschiedliche Sprachen. Diese in Israel zu integrieren, war schon eine gewaltige Aufgabe. Aber es klappte in großen Teilen sehr gut. Beispielsweise gibt es immer mehr Hochzeiten zwischen verschiedenen Einwanderungsgruppen. Trotzdem brodelt es auch heute noch unter der Oberfläche. Viele Gruppen fühlen sich ungerecht behandelt und nicht voll in die Gesellschaft aufgenommen. Das betrifft vor allem Einwanderer aus Afrika.
Wie versucht man, diese Herausforderung zu bewältigen?
In Kommissionen und Expertentreffen wird viel diskutiert, wie man alle Einwanderungsgruppen besser mit einbeziehen kann. Leider beginnen solche Debatten erst im Anschluss von großen, zum Teil gewalttätigen Protesten.
Gilt Israel heute immer noch als Einwanderungsland?
Ja, die Einwanderung nach Israel wird sogar vom Staat gefördert. Aber viele, die kommen, haben mit Problemen zu kämpfen. Deshalb gibt es auch eine ebenso große Auswanderung.
Was sind das für Probleme?
Ein großes Thema ist es, eine passende Arbeit zu finden. Ein Großteil ist davon frustriert. Die Realität in Israel sieht leider anders aus, als es oftmals auf Rundreisen präsentiert wird.
Wie sieht diese Realität aus?
Neben der Suche nach einem passenden Job ist das Leben in Israel einfach teuer. Man muss härter als anderswo arbeiten, um sich ein guten Lebensstandart zu schaffen. Für viele Menschen, vor allem aus den westlichen Ländern, ist das ein Kulturschock.
Fliehen viele Juden aus den arabischen Staaten nach Israel?
Ja, sie stellen die größte Einwanderungsgruppe in Israel dar. Nach dem Unabhängigkeitskrieg mussten Menschen jüdischen Glaubens aus den arabischen Staaten nach Israel fliehen, da sie dort verfolgt wurden. In Israel wurden sie jedoch auch diskriminiert, da sie einen komplett anderen kulturellen Hintergrund hatten, als die Juden aus Europa und Amerika. Das wird heute langsam besser.
Interview Maximilian Schmidt
20 Uhr, Villa Ichon, Goetheplatz
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