herzensort: Bolzen neben dem Güllefeld
An die schönsten Orte kann man nicht mehr zurück – nicht richtig zumindest. So einen magischen Ort hatte die Stadt Horgen am Zürichsee. Dort gab es vor etwa zehn Jahren einen Bolzplatz, den wir einfach Gehren nannten, wegen der angrenzenden gleichnamigen Bushaltestelle. Gehren hatte mehr Löcher als Rasen, war uneben und quadratisch geformt. Hier rannten jahrelang Mädchen und Jungs den ganzen Sommer lang einem Ball hinterher. Manchmal flog dieser in einen kleinen Tümpel, in die Dornen oder, am schlimmsten, ins Güllefeld nebenan. Oft spielten die Väter mit, dann mischten sich unter die FC-Zürich-, Albanien-, Bayern- oder Kroatientrikots Männer in den 40ern mit löchrigen Adidas-Trainingsanzügen. Irgendwann war der Platz abgesperrt, das Gras sollte nachwachsen. Aus Gehren wurde eine Wiese mit Löchern und kaputten Tornetzen. Die ehemaligen Mitspieler*innen gingen ihrer Wege, außerhalb vom Fußball hatte man kaum Kontakt. Manche arbeiten als Zugfahrer oder Handwerker, andere rutschten ins rechte Milieu ab oder zogen nach Berlin und schreiben dort nun für eine Zecken-Zeitung.
Gustav Cattapan
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