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herzensortSingen, jodeln, wrestlen, leben

Es ist der letzte Schritt auf meiner Liste „Anleitung gegen depressive Episoden“. Wenn ich vergessen habe, wofür ich eigentlich lebe, gehe ich auf Youtube und suche ein Video, das bereits zehn Jahre alt ist und hoffentlich niemals gelöscht wird: die beste aller Carpool-Karaoke-Folgen. Denn im Auto mit den Red Hot Chili Peppers ist es unmöglich, traurig zu sein.

Üblicherweise werden in diesem Format die Songs der anwesenden Musiker abgespielt und alle Insassen singen mit. Aber hier wird nicht nur gesungen – es wird auch gejodelt (im Nonsens-Song „Heemi Lheemy“, den Anthony Kiedis und Flea mit 15 Jahren erfunden haben), gewrestlet (auf einem Rasen vor einer Villa) und so viel Energie versprüht, dass normale Menschen mehrere Wochen davon leben könnten.

Am schönsten ist es aber, Flea dabei zuzusehen, wie er ganz und gar in der Musik versinkt. Seine Finger greifen in imaginäre Saiten, sein Mund formt die dazugehörigen Töne: Pom pom, pom pom pom. Flea ist kein Bassist, er ist der Bass, schreibt jemand in den Kommentaren. Und mir fällt wieder ein, dass es eigentlich ganz einfach ist: Ich lebe, um zu leben.

Franziska Seyboldt

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