herzensort: Das frühere Ich besuchen
Wer heute nach Berlin zieht, muss in puncto Wohnen das nehmen, was er:sie kriegen kann. Im Sommer 2023 landete ich daher zunächst zur Untermiete in einer Wohnung im Westfälischen Viertel am Moabiter Spreeufer. Bei gutem Wetter saß ich fast jeden Tag an den Wiesen des Flusses, ließ meine Beine über dem Wasser baumeln, las oder schrieb, hörte Podcasts – oder beobachtete einfach nur die Bewegungen des Wassers.
Drei Monate verbrachte ich so, dann musste ich raus aus meiner Unterkunft, wieder woanders hin. Nun, zwei Untermieten später, mittlerweile in einem dauerhaften Zuhause, wohne ich wieder fußläufig zur Spree, ein paar Kilometer weiter westlich. Ich könnte auch dort am Wasser sitzen, dennoch mache ich mich oft auf den Weg nach Moabit. Denn es ist dort, als würde ich mich selbst in einem früheren Leben besuchen. Das Moabiter Spreeufer ist zu einem Symbol für meinen Beginn in Berlin geworden. Nirgendwo sonst in der Stadt sehe ich so deutlich vor mir, wie sich mein Leben seitdem entwickelt hat. Was neu ist, was nicht mehr dazugehört. Aber vor allem: Wer ich geworden bin. Eva Fischer
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