herzensort: Knospen der Hoffnung
Unsere Straße ist die schönste im Kiez. Alle sagen das. Die Besitzerin des kleinen Buchladens um die Ecke, der Supermarktverkäufer, der Spätimann und auch die Touris, die in diesen Tagen gebannt an unserer Kreuzung stehen bleiben und ihre Handys zücken. Warum es daran keine Zweifel gibt: Jeden Frühling beginnen die Bäume unserer Straße im Berliner Wrangelkiezals erste mit der Blüte. Während alle anderen noch im Winterblues stecken, erstrahlen sie schon längst in frischem Grün.
„Wir wohnen in einer Allee, ist dir das überhaupt schon mal aufgefallen?“, rief mir meine Mitbewohnerin letztens begeistert zu, während sie ihren Kopf und ihre Kaffeetasse nach draußen in die Sonne steckte. Sie hatte recht, den langen Winter über schenkten wir den kahlen Bäumen vor unserer Tür keine Aufmerksamkeit. Vielleicht lag das auch an unserem Zustand: Herzschmerz, Weltschmerz. Aber jetzt, wo sich Dutzende Vögel in ihnen tummeln, wo wieder Leben aus ihnen (und ja, auch aus uns) sprießt, da können wir uns kaum sattsehen. Da können wir uns nicht oft genug sagen, wie schön wir es doch haben, in unserem Zuhause. Katharina Federl
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