herzensort: Eine Straße zum Verlieben
Fünfzig Meter grauer Asphalt, begrenzt durch elf Sperrpfosten, dazwischen Hüpfekästchen und Hochbeete. Seit letztem Frühjahr ist die Husemannstraße im Leipziger Osten eine autofreie Zone. Im Sommer haben ein paar Freundinnen von mir, die dort wohnen, regelmäßig zum „Spielstraßen-Kuchen-Brunch“ eingeladen. Gemeinsam haben wir Tische, Stühle und Geschirr aus der Wohnung nach unten getragen, alle haben Kuchen und Saft, und Lea ihren berühmten veganen Mettigel mitgebracht. Wir haben laut Gitte Hænning gehört, dabei neu gelernte Tanzschritte aus dem Rock-’n’-Roll-Tanzkurs vorgeführt und mit Kreide Meerjungfrauen mit Achselhaaren und große, böse Haie auf die Straße gemalt. Im Winter feierten wir hier Silvester und verteilten zwischen poppenden Sektkorken und Feuerwerk euphorische Neujahrsküsse.
Die Spielstraße wurde eigentlich eingerichtet, um die Verkehrssicherheit vor der dortigen Schule zu erhöhen. Doch für mich ist sie zu einem Ort der Liebe geworden, an dem wir zusammenkommen, um mit vollen Herzen und Zuckergussmündern in die Nacht zu tanzen.
Amélie Richter
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