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herzensortWie eine Herde grasender Rinder

Im taz Haus gibt es einen Raum im obersten Stockwerk, mit Decken so hoch, und einer Glasfassade so breit, dass er etwas Heiliges ausstrahlt. Von dort hat man einen Blick über die Dächer der Stadt, auf den Fernsehturm und das Haus gegenüber, das aussieht wie eine Eule; er trägt den bescheidenen Namen Pano­ramaraum.

Jeden Mittwochabend kommt hier eine Gruppe taz­le­r:in­nen zusammen, um sich von Sasha, der Yoga-Lehrerin, aus dem Arbeitstag abholen und sanft in den Feierabend begleiten zu lassen. Draußen rauscht die Stadt, die Gruppe liegt auf ihren Matten. Dann biegen wir unsere Gliedmaßen zu Tierfiguren, fliegende Tauben, herabschauende Hunde, der Raum erfüllt von leisem und doch hörbarem Atmen wie eine Herde grasender Rinder. Dann sagt Sasha das erlösende Wort: Shavasana, die Totenhaltung. Alle legen sich hin und sie fährt fort mit ihrer Salbung, dem Mantra, mit sanfter und doch entschlossener Stimme: „Es ist alles getan, es gibt nichts mehr zu tun.“ Als wäre es ein Naturgesetz, an das man einander nur immer wieder erinnern muss.

Nora Belghaus

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