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die anderen

Der Sieg von Berlusconi in Italien beschäftigte alle europäischen Medien. Die liberale dänische Tageszeitung Politiken: Der unglückliche Verlauf der Sanktionen gegen Österreich hat die übrigen politischen Spitzen in Europa ängstlich werden lassen. Aber Berlusconis Erfolg in Italien ist (...) viel schlimmer als Haiders in Österreich. Die liberale schwedische Tageszeitung Dagens Nyheter: Die italienischen Wahlen wurden zu einer Volksabstimmung für oder gegen den Medienmagnaten Silvio Berlusconi und damit auch über die Demokratie, wie sie in Italien seit 1946 ausgesehen hat. Die Wähler sagten ja zu Berlusconi und indirekt nein zu dem wackligen System, das in der Nachkriegszeit 58 verschiedene Regierungen und Korruption in ansehnlichem Umfang hervorgebracht hat. Die linksliberale Budapester Tageszeitung Népszava: Viele Rechtsparteien erwarteten sich von Berlusconi die Wiederauferstehung der Rechten in Europa. Auch (Ungarns Ministerpräsident) Viktor Orbán muss mit so etwas gerechnet haben, denn sonst hätte er neulich kaum seine Solidarität mit Berlusconi erklärt. (...) Die Rechte gewann zwar am Stiefel Europas, doch war es ein Pyrrhussieg, zu dessen Nutznießer später wieder die Linke werden kann. Das knappe Ergebnis (...) ist dem Umstand zu verdanken, dass die italienischen Wähler auch ohne die Einsprüche ausländischer Politiker wissen, welche die wirklichen bürgerlichen Parteien sind und welche nicht. Die konservative französische Tageszeitung Le Figaro: Sein Programm ist klar und würdig eines Industrieunternehmers. Steuersenkungen, mehr Sicherheit, höhere Renten, mehr Arbeitsplätze, öffentliche Dienstleistungen. Die Linke, die eigentlich eine gute Bilanz vorweisen kann, ist geschlagen worden, weil sie nicht den gleichen Pragmatismus an den Tag gelegt hat. Das österreichische Massenblatt Kurier: Ein chaotischer Wahltag in Italien mit Bananenrepublik-Charakter hat dem Land nicht das erwünschte klare Ergebnis gebracht. Der vorausgesagte Erdrutschsieg für das Mitte-rechts-Bündnis des „Reichen“ Silvio Berlusconi fand nicht statt. Die prognostizierte Wahlmüdigkeit der Wähler auch nicht. Nach derselben Logik naht auch nicht der Untergang Italiens, wenn ein auf Politiker geschminkter Milliardär am Ruder ist. (...) Von der EU hat Italien nichts Dramatisches zu erwarten. Kommissionschef Prodi will die Regierung „an ihren Taten messen“, Frankreichs Außenminister „ein wachsames Auge“ auf sie werfen. Sanktionen wie gegen Österreich stehen nicht zur Debatte. Ob wegen der Größe des Landes oder weil die EU aus Fehlern lernte, sei dahingestellt.

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