das wetter:
Nacktgrenze
Hieronymus Schropp war von Beruf Fälscher. Er hatte schon Briefmarken und Geldscheine, Pässe und Führerscheine, aber auch Handtaschen und Uhren, Parfüms und Kosmetika gefälscht. Berühmt geworden war er als Kunstfälscher, nachdem er einen echten Van Gogh in einen unechten verwandelt hatte. Er kratzte einfach die alten Ölfarben von der Leinwand und füllte den Rahmen mit neuen, bunteren Lacken. Das blumige Motiv hatte er zwar auch verhunzt, aber niemand hatte je behauptet, Hieronymus Schropp sei ein guter Fälscher. Neuerdings wandte er sich der digitalen Sphäre und Deep Fakes zu, scheiterte dabei aber regelmäßig an der nackten Haut der Dargestellten. Seine tiefen Doubletten sahen aus wie expressionistische Personalausweise. Für eine Grenzüberschreitung waren sie nicht geeignet. Nicht mal in einen Deep State. Und erst recht nicht nackt.
Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Dank Ihnen haben wir nun die 50.000 erreicht. So viele unterstützen freiwillig und regelmäßig. Noch nicht dabei? Werden Sie jetzt Teil der Community! Jetzt unterstützen