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das wetter

Eisenkugel

Prinz Rübenherz zog stets als Letzter mit seinem Schimmel Angelika über die Schlossbrücke in die Schlacht. Der Fürst von Liquoranien war nicht der tapferste, aber der siegreichste Ritter der Tafelrunde. Bis sein Knappe ihm das Kettenhemd über den gewaltigen Wanst gestreift hatte, waren die anderen Kämpen längst müde geworden, und er konnte der Feinde Rüben leichterhand abschwerten. Eines Tages jedoch brach die treue Angelika unter ihm zusammen. Da stand Rübenherz nun mitten auf dem Schlachtfeld, umringt von Schwertträgern, die jeden Hieb wider die eiserne Kugel mit einem Stoßgebet gen Himmel begleiteten. Über das blutrünstige Ende des runden Rittermanns legten die Bänkelsänger das hermelinbesetzte Mäntelchen des Schweigens. Aber in ihren Moritaten lebte der Liquoranier weiter. „Den morgenblic sah ruebenherze mit wehem ouge …“

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