piwik no script img

das portraitManfred Schumann boxt sich durch – trotz Deutschlandlied

Bis vor zwei Wochen war der Name Manfred Schumann höchstens ein paar älteren Sportsfreunden ein Begriff. Der 68-Jährige hatte in den 1970er-Jahren als Leichtathlet und Bobfahrer sowohl an Olympischen Sommer- wie auch Winterspielen teilgenommen. Im November 2018 wurde der Wunstorfer Vorsitzender des Niedersächsischen Box-Sport Verbandes (NBSV). Alles nahm unaufgeregt seinen Gang – bis zum 29. Juni.

An jenem Tag stand in Steinhude eine Box-Veranstaltung auf dem Programm, ein Vergleich zwischen einer niedersächsischen und einer südafrikanischen Staffel – unter dem ehrenwerten Motto: „Boxen am Meer – Sportler gegen Rassismus und Gewalt“. Klang gut – aber nur auf dem Papier. Statt der deutschen Nationalhymne wurde die erste Strophe des Deutschlandliedes gespielt. Der anwesende deutsche Boxverbands-Präsident und NBSV-Ehrenpräsident Jürgen Kyas war entsetzt. Er eilte zu den Verantwortlichen und ließ das Abspielen abbrechen. Etwa 20 Sekunden habe dies vom ersten Takt an gedauert, sagte Kyas. Da war „Deutschland, Deutschland über alles“ aber längst durch die Halle gedröhnt.

Kyas sagte mit zeitlichem Abstand zur Veranstaltung: „Der Organisationsleiter hätte prüfen müssen, ob die richtige Musik ausgesucht worden ist. Das ist unterblieben, das war fahrlässig.“ Er kritisierte damit Schumann, den Vorsitzenden des niedersächsischen Verbandes. Der ehemalige Hürdenläufer und CDU-Politiker hatte in einer ersten Reaktion beteuert, dass er sich nach dem Vorfall bei allen Anwesenden entschuldigt habe. „Es war ein tragisches Unglück, wenn man so will. Aber ich finde es irgendwo unverständlich, dass das so hochgedreht wird. Das hat mit Rassismus gar nichts zu tun“, sagte er.

Gegenüber der Hannoverschen Allgemeinen Zeitung sprach er von einem „unentschuldbaren Fehler“ der Beschallungsfirma und hatte Konsequenzen angekündigt, sollte der Vorfall „schlimmere politische Wellen schlagen“. Das war zunächst als Rücktrittserklärung gedeutet worden. Am Montag sagte Schumann aber: „Unsere beiden Unterverbände haben mir ihre hundertprozentige Loyalität zugesichert. Ich übe mein Amt bis zum Ende der Wahlperiode aus.“ Christian Görtzen

50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen