das detail: Trainer, der gegen die Mannschaft spielt
Die Klassikerfrage hat sich am Samstagabend in Frankfurt gewiss nicht wenigen gestellt. Hat da mit RB Leipzig ein ganzes Team gegen den Trainer, gegen Domenico Tedesco, gespielt? Wie sonst sollte man die desaströse 0:4-Niederlage des DFB-Pokalsiegers und Champions-League-Teilnehmers erklären?
Grundsätzlich ist diese Frage immer schwer zu beantworten, übergeht sie doch so leichthin das sportliche Eigeninteresse der Spieler. Nach den Erklärungen von Tedesco allerdings sollte man sich überlegen, ob die Frage nicht umzukehren ist. Spielte da ein Trainer nicht gegen das gesamte Team? „Grottenschlecht“ sei die Mannschaft gewesen, versicherte Tedesco. Und dass das nichts mit ihm zu tun haben konnte, machte Tedesco auch deutlich klar. „Wenn man drei Systeme spielt und es ändert sich nichts, dann liegt das einfach an der Mentalität, an den Basics.“ Sprich, all die redlichen Bemühungen von Tedesco konnten bei der mangelnden Bereitschaft nur versanden.
Fußballprofis die Mentalität abzusprechen, das ist eigentlich Journalist:innen vorbehalten. Die Spieler von Borussia Dortmund, insbesondere der darüber stets völlig entnervte Marco Reus, können das bezeugen.
Dass nun Domenico Tedesco sich zu diesem etwas simplen Frontalangriff hinreißen ließ, wirkt schon wie ein Verzweiflungsakt. Die magere Bilanz von fünf Punkten nach fünf Spieltagen ist eine, die in Leipzig unweigerlich zu Diskussionen über die Verantwortung des Trainers führt. Es wird Tedesco wenig helfen, wenn er die Verantwortung öffentlich seinen Spielern zuschiebt. (jok)
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