Neue Musik aus Berlin: Mit David Lynch in der Geisterbahn
Unheimliche Klangwelten sind Hüma Utku Metier. Ihr neues Album „Dracones“ setzt sich mit Dämonen und Entfremdung auseinander – aber auch mit Liebe.
Hüma Utku ist in dieser Kolumne schon mal als Vermesserin der menschlichen Psyche gewürdigt worden. Die Musikerin und Produzentin, die aus Istanbul kommt und in Berlin lebt, hat Psychologie studiert; in ihrem Sound ergründet sie besonders die dunkle Seite des Menschen. Dazu passt auch der Titel ihres neuen Album, „Dracones“. Er spielt auf den sprichwörtlich gewordenen lateinischen Ausdruck „Hic sunt dracones“ („Hier sind Drachen“) an, mit dem man gefährliche unbekannte Gebiete bezeichnet.
Das Titelstück „Here Be Dragons“ scheint all diese Gefahr in sich zu tragen, mit sphärischen elektronischen Geräuschen startet es, ein Synthesizer-Loop kommt dazu, dann knarzt ein Cello bedrohlich, eine fauchend-flüsternde Stimme verstärkt das angsteinflößende Setting, gegen Ende werden die Worte „Here Be Dragons“ wiederholt – es klingt, als würde man Geisterbahn fahren mit David Lynch.
Düster und doomig geht es auf „Dracones“ von Beginn an zu: Mit einem lang gezogenen Drone-Klang setzt das Album ein, dann kommen brummende, tiefe elektronische Industrial-Töne dazu, Hüma Utku setzt zudem eine Lyraei ein, ein elektromagnetisches Instrument, das der Lyra nachempfunden ist.

Hüma Utku: „Dracones“ (Editions Mego; Cover Artwork von Marco Ciceri), erscheint am 4. April
Thematisch setzt sie sich auf diesem Album mit familiär weitergetragenen Dämonen, mit Entfremdung, aber auch mit der Erfahrung von Liebe auseinander. Tatsächlich schwingt in ihren Stücken immer auch eine Sehnsucht mit, so etwa im abschließenden Track „Ayaz'a“, in dem neben Basstönen auch hohe, an Sopranstimmen gemahnende Töne zu hören sind.
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