berliner szenen: Fünffingerbreit Libre
Die Schlange windet sich. Wir stehen seit mehr als zehn Minuten vor einem Bretterhaus, aus dem Getränke verteilt werden.
Wir warten in eher unberlinischer Stimmung, Bornholmer Straße, Kleingartenkolonie.
Es liegt was in der Luft. Außerdem ist der Sommer da.
Das muss eine zugezogene Prenzlauer-Berg-Gemütlichkeit sein, denke ich. Die Leute haben die Ruhe weg. Vier Frauen in unserem Alter amüsieren sich sehr. Sie stoppen die Zeit.
Wir rücken einen Platz vor.
Eine der Frauen vermutet, dass die Zapfanlage die Wucht einer Rentnerblase habe. Gerade müht sie sich am Glas der Kundin vor uns. Und muss noch ein zweites voll tröpfeln. Wir besprechen schon mal unsere Bestellung.
Die vier Damen hinter uns hätten gern einen Spritz pro Kopf, sagen sie. Der würde im sinkenden Sonnenlicht so schön schillern.
„Aber der Aperol ist leider aus“, heißt es vom Tresen. Und die Stimmung? Bleibt gut! Schneller, als das zweite Glas der Frau vor uns voll ist, fällt die Entscheidung hinter uns auf vier Cuba Libre. Weil versichert werden kann, dass der Rum noch da ist.
Und der landet dann auch mehrere Fingerbreit in den Gläsern. Die Augen der vier Frauen in unserem Rücken werden größer. „Nur nicht so geizig,“ sagt die eine.
„Da ist ja kaum noch Platz für Cola“, stellt eine andere fest. Alle feixen. Eingießpause. Der Barmann guckt erst das Glas an. Dann seine Kundinnen. Die Pause reicht, um mir ein alkoholfreies Bier zu verkaufen. Es wird aus der Flasche geboren und ist viel schneller da als seine Kollegen vom Fass.
„Aber ich mach das so, wie meine Mutter den immer trinkt“, erklärt der Rumeingießer. Ich suche meine Begleitung. Vom Band kommt ein Gang-of-Four-Song. In Background kichert ein Chor von vier Rumtrinkerinnen. Klaus Esterluss
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