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berliner szenenNacht der lebenden Druffis

Es ist Nacht am Rosenthaler Platz. Eine Wolke zieht apokalyptisch über den Asphalt, weil das U-Bahnschild mit einem Hochdruckreiniger gesäubert wird. Daraus sehe ich ein Geschöpf auftauchen, das an der Fußgängerampel steht. Ziemlich zerrupft steht es da, eine Schulter abgesenkt, die Augen weit aufgerissen, aber mit Sakko immerhin. Es wird grün, und ich gehe los. Die gierigen, beinahe blutrünstigen Augen fixieren mich, und als ich an ihm vorbeilaufe, schnieft es, dreht sich und schlurft mir wortlos nach. Großartig. Was jetzt?! Er folgt mir in den Weinbergsweg, und nach gut 20 Metern ist klar: den werd ich so schnell nicht los. Vorm David-Hasselhoff-Museum reicht es mir schließlich. Ich drehe mich um und schaue ihm in die Augen. Er hält Kurs, und als uns nur noch ein paar Schritte trennen, sage ich: „Kann ich dir behilflich sein?“ Er knurrt. Sein Blick hält stur an meinem fest, dann greift er in die Tasche. Eine Sintflut aus Adrenalin dampft mir bis in die Fingerspitzen. Wenn er jetzt ein Messer zieht, muss ich schnell sein, darf nicht lange zögern. Also balle ich vorsorglich die Rechte zur Faust. Aber was zum Vorschein kommt, ist lediglich – ein Joint, so krumm und ramponiert wie er selbst. Den führt er sich langsam zum Munde, lässt die zuckende, überaus schmutzige Hand auf Brusthöhe sinken und macht mit dem Daumen umständlich das internationale Symbol für: „Feuer, bitte.“ Ah. Okay? Ich lockere die Faust, zücke mein Feuerzeug und halte die Flamme unter den Joint. Eine leichte Brise zieht durch die Häuserschlucht, die Flamme flackert, aber gemeinsam schaffen wir es, das Ding zu entzünden und dabei jegliche Berührung zu vermeiden. Sein Danke ist ein kurzes Brummen, wonach er sich abwendet und knurrend davonschlurft. Ich lache kurz und ziehe weiter. Auf zu neuen Abenteuern. Maik Gerecke

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