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berliner szenenDit Lebenis keenSpäti

Ick freu mir schon auf Freitag.“ „Ick ooch. Freitag ist Parteitag. Treffen mit den andern Atzen.“ „Das Zentralkomitee berät sich.“ „Kommando Kümmerling.“ „Jawoll, Genosse General!“

Ich sitze in der M4. Auf der anderen Seite des Gangs, auf den Plätzen mit den Rollstuhlsymbolen, unterhalten sich zwei Männer. Der eine trägt ein rot kariertes Holzfällerhemd, das am Bauch spannt, und darüber eine Lederweste. Seine Haare sind lang und offen, beginnen aber erst weit hinten auf dem Kopf. Im Grunde erst im Nacken. Eigentlich hat er eine Glatze mit Haarmatte. Der andere ist optisch unauffällig.

Ich muss an die beiden Jungs von neulich und ihren Jeanstag denken. Gleiche Linie, gleiche Strecke, gleiche Uhrzeit. Die M4 scheint auf Tagesmotto-Reimer eine gewisse Anziehungskraft auszuüben. „Wie läuft’s mit deiner Ollen?“, fragt der Haarmatten-Mann. „Immer noch Stress?“ „Ist nicht mehr meine Olle.“ „Oh, dit tut mir leid.“ „Muss dir nicht leid tun.“ „Tut’s mir aber doch.“ „Weeßte, was sie zum Abschied gesagt hat?“ „Ne.“ „Ick liebe dir wie Klopapier, zum Arschabwischen reichste mir.“ „Autsch.“ „Was soll man machen?“ Der optisch Unauffällige zuckt mit den Schultern. „Bier und Bräute. Beides zusammen geht auf Dauer halt nicht.“ „Schön wär’s schon.“ „Klar. Aber wir sind ja nicht im Paradies. Wir sind hier uffe scheiß Erde. Dit Leben is keen Späti.“

„Stimmt, da haste recht.“

Sie sehen aus dem Fenster. Und schweigen. Die Unterhaltung scheint zu Ende zu sein. Drei Stationen später sind wir am Alex. Der Haarmatten-Mann hievt sich aus seinem Sitz und klopft seinem Kumpel auf den Rücken. Dann ist er draußen. Es nieselt und der Himmel ist eine einzige Wolkendecke.

„Freitag ist Parteitag“, murmelt der Verlassene. Eigentlich nur zu sich selber, aber ich kann es trotzdem hören.

Daniel Klaus

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