berliner szenen: Was krabbelt dort herum?
Herrliche Sommertage waren das, denke ich gut gelaunt, als ich im Hinterhof zu meinem Fenster hochschaue. Aber bereits im Treppenhaus werde ich mit einer Nachricht konfrontiert, die meiner Stimmung den Garaus macht. In der Wohnung über ihm soll es Bettwanzen geben, berichtet mein Nachbar Wolfgang. Mit zwei übel duftenden Müllbeuteln bewaffnet, erklärt er mir die Lage. Auf seinen nackten Armen sehe ich dicke hellrote Punkte dicht beieinander. „Jucken die?“, frage ich. „Entsetzlich! Schlimmer als Mückenstiche“, sagt er. Ein typisches Anzeichen für Bettwanzen, wie ich im Netz erfahre.
Ich rufe die Hausverwaltung an. Keiner geht ran. Ich schaue auf die Uhr, es ist früh am Nachmittag. Ich wundere mich, aber nur kurz, dann rufe ich den Hausmeisterdienst an, der auch für Notfälle zuständig ist. Ich lasse es zehnmal klingeln und will gerade auflegen, als sich eine müde Frauenstimme meldet. „Bettwanzen?“, sagt die Stimme, „Wieso Bettwanzen? Ich dachte, jetzt wären Affenpocken dran.“ Ich betone die dramatischen Umstände, Allergien etc… „Immer langsam mit den jungen Pferden“, sagt die Stimme, „nächste Woche oder spätestens in der Woche drauf kommt sowieso der Kammerjäger und verpasst den Viechern einen Chemiecocktail.“ Sie hätte selbst mal welche aus dem Urlaub mitgebracht, fügt die Stimme vertraulich hinzu, die hätten sich im Koffer versteckt gehabt.
Nach dem Gespräch beginne ich meinen Rucksack zu inspizieren. Ich war zwar bei Freunden in der Uckermark, aber man weiß ja nie. Was krabbelt dort auf dem Küchenboden herum, frage ich mich und bücke mich so tief herunter, wie es meine lädierten Bandscheiben erlauben. Gleichzeitig beginnt es mich heftig an den Beinen zu jucken. Mir stehen unruhige Zeiten bevor, so viel ist gewiss. Henning Brüns
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