berliner szenen: Versackt, alles eingesackt
Zugegeben, ich war auch nicht fit. Nicht fit, weil ich am Vorabend mit einer guten Freundin viel zu tief ins Glas geschaut hatte. An solchen Tagen hilft es nur, Sachen zu erledigen, für die es den Kopf nicht braucht, dachte ich zumindest, als ich an diesem verkaterten Tag einen Bioladen betrat.
Dort kaufte ich zuerst ein Stück vom Roggenbrot und lief anschließend mit dem Brot in der Hand durch den Markt, griff hier und da planlos in die Regale, bis ich an der Kasse landete. Vor mir stand ein älterer Mann an, der sich kurz umdrehte, meinen Einkauf von seinem Einkauf mit einer Plastikschiene trennte und schließlich seinen Geldbeutel zum Zahlen zückte. Ich hingegen öffnete meinen Rucksack, um darin das Brot, das ich ja schon bezahlt hatte, zu verstauen. Anschießend räumte ich seelenruhig die anderen Lebensmittel in den Rucksack. Erst drei Karotten, dann Teigtaschen aus der Tiefkühltruhe, Kokosnusswasser, Oliven und einen veganen Aufstrich.
Nein, natürlich hatte ich noch nicht gezahlt. Mein gedankenverlorener Fauxpas fiel mir tatsächlich auch erst auf, als ich aufs leere Kassenband und dann in die mehr als verwirrten Gesichter von Kassiererin und Kunde blickte. „Oh“, sagte ich schnell und begann, hektisch die Lebensmittel wieder auszupacken und aufs Kassenband zu legen. Dabei rang ich nach einer Erklärung: „Ich habe erst das Brot eingepackt, das ich ja schon bezahlt habe. Und dann, ohne nachzudenken, die anderen Sachen. Das war natürlich keine Absicht. Ich habe gestern nur …“ – verkniff es mir aber gerade noch, die vielen Biere zu erwähnen, korrigierte mich stattdessen: „Ich bin heute einfach nur nicht fit. Sorry.“ Während der Mann verstohlen grinste, sah mich die Kassiererin etwas mitleidig an und meinte höflich: „Kann doch jedem mal passieren.“ Nein, dachte ich, kann es nicht.
Eva Müller-Foell
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