piwik no script img

berliner szenenBärchen für die Pathologen

Die Schweden kommen. „Ach du Schreck, morgen kommen ja die Schweden!“, rief ich vor einem Monat durch die Sport­umkleide. „Welche Schweden kommen?“, erkundigte sich meine Freundin Julia. „Na alle!“, rief ich.

Eine meiner besten Freundinnen heißt Sabina. Sie kommt aus einem schwedischen Städtchen namens Uddevalla, das leider nicht annähernd so niedlich ist, wie sein Name verspricht. Sabina besucht mich regelmäßig. Meist einmal im Jahr. Diesmal kommt sie für einen ganzen Monat und bringt ihre ganze Familie mit. Ihren Mann Anton, ihre Tochter Minna und ihren Sohn Alfred. Die Kinder haben Sommerferien und Anton ist Pathologe. Er macht ein Praktikum an der Charité. Früher war er Handchirurg, da haben ihn alle immer um Rat gefragt: „Anton, guck mal, ich hab hier so eine Stelle am Daumen.“ Jetzt will niemand mehr seine Expertise. Es fragt ihn auch keiner mehr, wie es auf der Arbeit war. Nur beim Einkaufen in der Kaufhalle kriegen wir eine Ahnung von Antons Arbeitsalltag. Dort packt Anton immer Unmengen von Gummibärchen in den Einkaufswagen. Buße für die Assistenten in der Pathologie, wenn er beim Sezieren Blut oder Innereien auf den Boden kleckert. Das ist in der Charité so Tradition, seit sie 1710 als Pesthaus gegründet wurde. Denn die Assistenten müssen die Sauerei wegmachen. Jetzt beobachten wir täglich das Schwinden der Gummibärchen in der Tüte.

In Schweden gibt’s für so was Zimtschnecken. Auf Schwedisch Bulle. Weil Bulle nur frisch schmecken, müssen sie nach dem Backen in die Tiefkühltruhe.Gestern wollte ich mir einen Eiswürfel in meinen pipiwarmen Roséwein schmeißen. Habe keinen gefunden. Alle Tiefkühlfächer waren voll mit Zimtschnecken. Ich sag mal so: gibt Schlimmeres.

Lea Streisand

50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen