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berliner szenenLäuft Wasser durch die Decke

Neulich hat Rosa ihre neue Wohnung im Wedding bezogen, in Prenzlauer Berg hatte sie es zuletzt einfach nicht mehr ausgehalten. Zu viel Bullshit, fasst sie ihre Erfahrungen bündig zusammen. Wir sitzen in ihrem neuen Lieblingscafé in der Soldiner, einer sympathischen Mischung aus Bücherbus, Umsonstladen und Gewächshaus, unter einem Foto von Muhammad Ali mit seiner Oma, und futtern Feta-Omelett. Als wir zur Wohnung zurückkehren, erwartet uns schon Rosas neuer Nachbar. Udo ist 66 und sieht mit seinem Meckischnitt und der Goldrandbrille mit den Panzergläsern, die seine Augen um das Zweieinhalbfache vergrößern, aus wie Dieter Thomas Heck auf Speed.

Genau genommen ist Udo gar kein Nachbar, er wohnt im Haus gegenüber, die Wohnung unter Rosa gehörte seiner Mutter. Udo hat sie ein halbes Jahr lang aufopfernd gepflegt, vor drei Wochen ist sie gestorben, jetzt steht die Wohnung leer. Es dauert eine Weile, bis ich begreife, was das alles mit uns zu tun hat beziehungsweise mit Rosa. Es ist so: Aus einem undichten Abflussrohr in Rosas Bad läuft Wasser durch die Decke in die Wohnung von Udos toter Mutter. Udo hat einen Feuchtigkeitsmelder installiert, der jeden unerwünschten Tropfen sofort als Signal in die App auf seinem Handy sendet.

Ich staune, so viel Technik­affinität hätte ich ihm gar nicht zugetraut. Nee, das sei wegen der „Jugos“, beeilt sich Udo den Tropfenalarm zu erklären, als er unsere fragenden Gesichter bemerkt. Rosas Vorgänger, die „Jugos“, hätten hier nämlich wilde Sexpartys in der Badewanne gefeiert, seitdem sehe die Decke in der Wohnung darunter aus wie ein Schimmelkäse. Wir nicken erschrocken. Na, halb so schlimm, räumt Udo ein und guckt wie die Grinsekatze, schließlich sei in der Wohnung ja nun niemand mehr. Erleichtert atmen wir auf. Sascha Josuweit

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