berliner szenen: Wo Kultur anfängt
PLUS MINUS
Wir sind verlassen worden. Genauer gesagt: die Kulturlandschaft. Noch genauer: die Volksbühne. Und zwar von der Österreichischen Botschaft, die ihre Unterstützung der „Austrian Psycho Nights“ an diesem Wochenende überstürzt zurückgezogen hat. Der Fall ist folgender: Die Österreichische Botschaft erklärte sich bereit, die Flugkosten für fünf „Kulturstars“ zu bezahlen.
Schlau wie sie ist, überlegte sich die Leitung der „Austrian Psycho Nights“, von dem Geld lieber einen Bus zu chartern und damit 45 weiteren österreichischen Künstlern eine Reise zu ermöglichen. Gedacht, getan. Auch die Botschaft akzeptierte die Umdeutung des Sponsorings. Bis sie am Donnerstag mitteilte, das Geld doch nicht rauszurücken. Der Bus war natürlich bereits unterwegs. Ein später Rückzug, zumal sich die zuständige Kulturrätin noch diese Woche im Magazin Profil rechtfertigte: „Konfliktkultur ist Teil der Kultur eines Landes. Wir fördern nicht nur angenehme Beweihräucherungskultur.“
So weit, so merkwürdig – und so vorhersehbar. In FPÖsterreich sind Rückzüge in letzter Minute neue Mode. In Linz etwa, wo am letzten Wochenende der FPÖ-Parteitag stattfand und Hitlers Lieblingsstadt in wundervoller Weise zur „Festung“ erklärt wurde, brach man erst am Samstag die Vereinbarung über den Strom für eine Gegenveranstaltung. Generatoren konnten die Veranstaltung gerade noch retten.
Fragwürdig aber bleibt, warum die „Austrian Psycho Nights“ überhaupt von einer Institution der Regierung, die sie bekämpfen will, Geld annimmt. Fragen die Initiatoren der 1. Mai-Demo demnächst auch beim Senat nach Förderung? Wird der Fischladen demnächst von der öffentlichen Hand verwöhnt? Geht es gar um Zivilgesellschaft? Nein, bei Geld hört die Politik auf. Da fängt Kultur an. js
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