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apokalypse der wocheKulturerbe in Mali in Gefahr

Tausende Fischer mit trichterförmigen Netzen stehen in einer Kleinstadt in Mali Seite an Seite, begleitet von Freudenrufen und Gesang. Sie warten auf das Signal. Plötzlich eilen sie zu einem großen, schlammigen Teich und werfen ihre Netze aus, fallen im Schlamm auf die Knie. Bald hält einer von ihnen voller Stolz einen armlangen Fisch in die Höhe.

Seit mehreren Hundert Jahren versammeln sich die Menschen in der südmalischen Siedlung San zum Sanké mon, einem kollektiven Fischfangritus im Juni, der mit Tieropfern und Opfergaben an die Wassergeister des Sanké-Teichs beginnt. Der Ritus steht seit 2009 auf der Liste des immateriellen Kulturerbes der Unesco. Doch der Klimawandel setzt der Tradition zu. Der Sanké-Teich beginne zu verschwinden, sagt Dorfchef Mamadou Lamine Traoré.

Die Hitzewellen der letzten Jahre haben dazu geführt, dass der riesige Teich allmählich austrocknet. In diesem Jahr haben die Temperaturen laut einem örtlichen Wetterbeobachter in San mit 48,5 Grad einen Rekordwert erreicht. Auch die Zahl der hitzebedingten Todesfälle ist gestiegen. In dem westafrikanischen Land mit überwiegend muslimischer Bevölkerung begann die Hitzewelle ausgerechnet im März, als viele Menschen wegen des muslimischen Fastenmonats Ramadan tagsüber keine Speisen oder Getränke zu sich nahmen.

Eine im April von der Initiative World Weather Attribution veröffentliche Analyse kam zu dem Schluss, dass die jüngste Hitzewelle in der Sahelzone südlich der Sahara, die unter regelmäßigen Dürre-Perioden leidet, mehr als nur rekordverdächtig sei. Der Klimawandel habe die Höchsttemperaturen in Burkina Faso und Mali um 1,5 Grad erhöht, erklärten die Forscher der Initiative, die sich mit Extremwetterereignissen wie Hitzewellen, Dürren und Stürme befasst. Und Experten warnen vor weiterer Hitze.

Beim Fischfangritus Sanké mon rupfen die Männer jetzt schwitzend magere Hühnchen und kochen sie über einem Feuer aus Schilfrohr. „Diese Tradition gab es schon, als ich noch nicht geboren war“, sagt einer der Teilnehmer, Amadou Coulibaly. Das Verschwinden des Teichs würde nicht nur den jahrhundertealten Ritus, sondern auch das wirtschaftliche Überleben der Stadt bedrohen, wenn die Aufmerksamkeit nachlasse, sagt Dorfchef Mamadou Lamine Traoré. (ap)

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