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Zypern: Verhandeln bis zum Umfallen

■ Türkei stimmt Zypern-Gesprächen zu. USA streben Gipfel unter UN-Vermittlung an

Berlin (taz) – Die Türkei verweigert sich nicht länger einer Diskussion über die Zypernfrage. Der türkische Premier Bülent Ecevit stimmte bei einem Treffen mit US-Präsident Bill Clinton in Washington einem neuen amerikanischen Vermittlungsversuch zu. Danach soll Clintons Sondergesandte Al Moses in der Türkei neue Gespräche über die Zukunft der faktisch geteilten Mittelmeerinsel führen.

„Dieses Treffen findet in einer Atmosphäre der Hoffnung statt“, sagte Clinton. Er spielte damit auf die Annährung zwischen Griechenland und der Türkei nach den schweren Erdbeben in beiden Ländern an, nach denen sich die verfeindeten Nachbarn gegenseitig Hilfe geleistet hatten. Auch die Republik Zypern hatte Hilfslieferungen in die Türkei geschickt.

Nach den US-Plänen soll es im Oktober zu einem Gipfel zwischen Zyperns Präsident Klerides und dem zyperntürkischen Führer Denktasch unter Leitung von UN-Generalsekretär Kofi Annan in Westpoint bei Washington kommen. Die beiden Zyprioten sollen nach Annans Idee so lange zusammen sitzen, bis sie sich auf eine Lösung verständigt haben.

Während Klerides der Begegnung zugestimmt hat, verweigerte Denktasch bisher seine Teilnahme. Als Vorbedingung verlangte er, dass seine „Türkische Republik Nordzypern“ diplomatisch anerkannt wird. Klerides ist Denktasch inzwischen insoweit entgegengekommen, dass er bei den Gesprächen nicht als Präsident der Republik Zypern sondern als zyperngriechischer Volksgruppenfüher fungieren will – damit hätten beide eine äquivalente Stellung.

Der Vorschlag der USA zur Lösung des Zypern-Konflikts sieht nach unbestätigten Angaben aus diplomatischen Kreisen vor, dass sich die türkische Armee aus einem Teil des von ihr 1974 besetzten Gebiets zurückzieht, das damit wieder den Zyperngriechen zufallen würde. Erst danach solle es zu einer Aufwertung des Status von Nordzypern kommen. Die „Türkische Republik Nordzypern“ ist bisher ausschließlich von Ankara anerkannt und wird auch von dort alimentiert. Danach sehen die US-Pläne angeblich vor, dass die Republik Zypern mit Nordzypern Gespräche mit dem Ziel der Gründung eines gemeinsamen Bundesstaats führen soll.

Die USA erhoffen sich von diesem Verfahren, die Blockade in dem Konflikt zu überwinden. Derzeit verweigert die Republik Zypern dem zyperntürkischen Norden jede Anerkennung. Nordzypern verlangt dagegen kategorisch die Anerkennung des eigenen „Staats“, bevor Verhandlungen in Gang kommen können. klh

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