: Zweitwährung Euro
Auch im Nicht-Euroland Schweden akzeptieren inzwischen zwei von drei Geschäften den Euro
STOCKHOLM taz ■ „Hier können Sie auch mit Ihrem Euro bezahlen“, begrüßt die Mehrheit der Läden im Nicht-Euroland Schweden in Deutsch und Englisch die TouristInnen. Zwei Drittel aller Geschäfte akzeptieren den Euro als Zahlungsmittel, die ersten Benzinautomaten an den Tankstellen schlucken Eurogeldscheine. Nahe der finnischen Grenze bekommt man sogar sein Wechselgeld in Euro zurück.
Cafés und Souvenirläden in Touristikgebieten haben mit doppelter Preisauszeichnung begonnen. Doch meist muss der Taschenrechner herhalten – der Wechselkurs schwankte in den letzten Monaten zwischen 8,90 Kronen und 9,40 Kronen pro Euro. Pfiffige HändlerInnen benutzen den Euroservice auch als zusätzliche Einnahmequelle. Beispielsweise wenn sie beim jetzigen Wechselkurs von 9,05 einfach durch acht teilen. Das ist allerdings die Ausnahme: Meist liegt der Kurs kaum schlechter als der amtliche Wechselkurs, teilweise teilen die Läden die Kronenrechnung der Einfachheit halber sogar durch zehn.
Die Regierung in Stockholm unterstützt die schleichende Gewöhnung an den Euro. Rechtzeitig zur Urlaubssaison machte sie die EU-Direktive, nach der Banken im Ausland keine höheren Gebühren auf Euroabhebung verlangen dürfen als im Inland, auch für schwedische Banken verbindlich. So werden die SchwedInnen an den Bankautomaten in Euroland schon wie EuroländlerInnen behandelt. Die Gewöhnung höhlt den Widerstand der Bevölkerung aus. Die Befürworter eines Beitritts zur Währungsunion sind jetzt in der Mehrheit. Die Zahl der SkeptikerInnen ist deutlich unter die 40-Prozent-Marke gesunken.
Da im September Parlamentswahlen anstehen, meidet die sozialdemokratische Regierung eine offensive Debatte. Doch viel spricht dafür, dass der Termin für eine Volksabstimmung über die Einführung des Euros gleich nach den Wahlen ins Auge gefasst wird. Dabei erweist sich die schwedisch Krone gegenüber Euro wie Dollar als so stabil wie seit Jahren nicht mehr. ÖkonomInnen sagen vorher, dass die Euroeinführung sich auf Schwedens Wirtschaft negativ auswirken könnte: Mit mehr Inflation und Exportproblemen – immerhin ist eine „Aufwertung“ des Kroneneinstiegskurses auf 8,60 pro Euro im Gespräch.
REINHARD WOLFF
Unser Mittel gegen Antifeminismus
Wir machen linken Journalismus aus Überzeugung: kritisch, unabhängig und frei zugänglich für alle. Es gibt keinen Bezahlzwang, keine Paywall. Das geht nur, weil sich viele freiwillig beteiligen und unsere Arbeit unterstützen. Auch im Digitalen muss Journalismus, der für mehr Gleichberechtigung eintritt, finanziert werden. Unsere Leser:innen wissen: Journalismus entsteht nicht aus dem Nichts. Damit wir auch morgen noch unsere Arbeit machen können, brauchen wir Ihre Unterstützung. Schon über 48.000 Menschen machen mit und finanzieren damit die taz im Netz - kostenlos für alle. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5 Euro sind Sie dabei. Jetzt unterstützen