: Zweite Runde im NDR-Streik
Die Gewerkschaft Rundfunk-Fernseh-Film-Union hat weitere Warnstreiks angekündigt / Erste Streiks in der Verwaltungs- und Transportabteilung / Der Personalrat ist sauer über Aushorchung ■ Aus Hamburg Axel Kintzinger
In der Tarifauseinandersetzung beim Norddeutschen Rundfunk (NDR) stehen die Zeichen wieder auf Sturm. Die Gewerkschaft Rundfunk-Fernseh-Film-Union (RFFU) hat jetzt weitere Warnstreiks angekündigt, falls der NDR nicht bis heute abend ein passables Angebot vorlegt. Wie berichtet, mußte Montag vergangener Woche zum ersten Mal in der bundesdeutschen Fernsehgeschichte die „Tageschau“ kurz vor Sendebeginn nach München verlegt werden, weil in den NDR-Studios in Hamburg -Lokstedt Techniker in einen kurzen Warnstreik getreten waren. Sondierungsgespräche, die nach dieser Aktion zwischen der RFFU und der Deutschen Angestellten Gewerkschaft (DAG) einerseits und dem NDR andererseits einberufen wurden, blieben bislang ohne Ergebnis. Seit Februar mußten bereits neun Verhandlungstreffen ohne Einigung beendet werden.
Nach der RFFU hat nun auch die DAG die ursprünglichen Verhandlungen für gescheitert erklärt und gestern die ersten Warnstreiks durchgeführt. Nach DAG-Angaben waren davon die Verwaltungs- und Transportabteilung des Senders betroffen. Was Vertreter von RFFU und Personalrat momentan besonders ärgert: Abteilungsleiter fragen Angestellte nach ihrer Gewerkschaftszugehörigkeit, berichtet RFFU-Vorstandsmitglied Herbert Klein der taz. Das Resultat dieser „Aushorchungen“ seien Dienstpläne, nach denen nicht mehr „riskant“ viele aktive Gewerkschafter in einer Schicht zusammen arbeiten. Zudem werde Personalräten der Zugang zu bestimmten Räumen verweigert - eine Regelung, die nach Angaben von Klein der Zustimmung durch die Belegschaftsvertreter bedürfe.
Auf neue Streiks bereiten sich indes nicht nur die Gewerkschaften vor. Nach Informationen aus dem NDR hält sich zunehmend Fremdpersonal von privaten Firmen in den Produktionsräumen auf. Firmen wie „Studio Hamburg“ und andere freie Fernsehunternehmen können nicht nur einzelne Fachkräfte, sondern auch ganze Teams für einzelne Sendungen zur Verfügung stellen. Die RFFU schäumt jetzt auch aus diesem Grund: Einstellungen dieser Art müßten gleichfalls vom Personalrat abgesegnet werden. Das sei jedoch nicht geschehen.
Auf Unterstützung aus München oder anderen ARD-Anstalten kann der NDR, falls es wieder die „Tagesschau“ treffen sollte, nicht mehr bauen. Die RFFU-Verbände der einzelnen öffentlich-rechtlichen Sender haben nun auch offiziell ihre Solidarität mit den NDR-Kollegen erklärt. Ein Streikbruch gilt für die nächste Arbeitsniederlegung als ausgeschlossen. Fernsehzuschauer, Programmverantwortliche und Beschäftigte warten nun gespannt darauf, ob nach der ersten „Tagesschau“ aus München in den nächsten Tagen der erste totale „Tagesschau„-Ausfall zu bewundern ist. Spötter meinen: „Schlechter als die 'Bayer-Rundschau‘ kann's auch nicht werden.“
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