Zuflucht gerettet: Frauenhaus hilft sich selbst

Die Finanzierung durch die Landesregierung läuft in Wedel Ende des Jahres aus. Dennoch können die Frauen weitermachen: Sie haben genug Spenden aufgetrieben, um das kommende Jahr zu überstehen

Stehen auf der Streichliste der Kieler Landesregierung: Frauenhäuser. Bild: dpa

WEDEL taz | Es sah nicht gut aus für das Frauenhaus in Wedel. 174.000 Euro im Jahr braucht die Hilfseinrichtung, um zu überleben, doch die Finanzierung durch das Land Schleswig-Holstein läuft zum Jahresende aus - die schwarz-gelbe Landesregierung hat Einsparungen in Höhe von 563.000 Euro bei den Maßnahmen gegen häusliche Gewalt beschlossen.

"Selbst nach den Kürzungen haben wir im Vergleich zu anderen Bundesländern einen überdurchschnittlich hohen Anteil an Frauenhäusern in Schleswig-Holstein", sagt Oliver Breuer, Sprecher des Ministeriums für Justiz, Gleichstellung und Integration.

Dem Frauenhaus Wedel wurde auch seine Nähe zu Hamburg zum Nachteil, da überwiegend Frauen von dort nach Wedel flüchten. Schutzangebote und Kriseninterventionen will das Kieler Ministerium aber nur für Frauen aus Schleswig Holstein finanzieren. Verhandlungen zu Ausgleichszahlungen von Hamburg an Schleswig-Holstein verliefen ohne Ergebnis.

Um weiterhin Frauen und Kinder vor häuslicher Gewalt zu schützen, riefen die Mitarbeiterinnen in Wedel eine groß angelegte Spendenaktion aus. Über Infostände, ortsansässige Unternehmen, kirchliche Einrichtungen und andere Frauenhäuser kamen 128.000 Euro zusammen und sichern nun 12 der 15 Plätze für das kommende Jahr.

Das könnte reichen, um das Frauenhaus in Wedel langfristig zu sichern, denn im Mai 2012 ist Landtagswahl in Schleswig-Holstein, und derzeit spricht vieles für einen Machtwechsel. Siegried Tenor-Alschausky, gleichstellungspolitische Sprecherin der SPD, kündigt an, "im Falle einer Regierungsübernahme die Kürzungen im Gleichstellungsbereich zurückzunehmen".

Momentan gibt es in Schleswig-Holstein 16 Frauenhäuser, davon sind 14 autonom (von freien Trägervereinen verwaltet).

Die Finanzierung kommt komplett vom Land, teilweise erhalten die Frauenhäuser Extramittel aus den Gemeinden (zum Beispiel in Kiel, Wedel, Lübeck).

Der Etat pro Haus berechnet sich aus dem Platzkostensatz. Pro Platz erhält die Einrichtung 10.500 Euro vom Land.

Die Durchschnittsbelegung lag 2010 in Schleswig-Holstein bei 79 Prozent. 80 Prozent sind das Maximum, denn es müssen immer Notfallbetten für Frauen mit Kindern bereit stehen.

Auch Marret Bohn (Grüne) sagt, dass ihre Partei im Falle einer Regierungsbeteiligung nach den Wahlen "überall in Schleswig-Holstein eine ausreichende Anzahl Frauenhäuser" bereitstellen wolle. "Schutz vor Gewalt ist ein Menschenrecht", so Bohn.

Die hohe Spendenbereitschaft zeige, dass ihre Arbeit in Wedel Rückhalt habe, sagt Astrid Otto, Mitarbeiterin des Frauenhauses. "Ganz unverkrampft" sieht Marc Cybulski von der Stadtsparkasse Wedel deren finanzielles Engagement. Sogar der örtliche FDP-Vorsitzende Peter Heinze will eine Spendensammlung unter seinen Mitgliedern anregen. Heidi Garling, Mitglied der Wedeler CDU-Fraktion, begnügt sich hingegen mit wertschätzenden Worten für die Arbeit.

Frauenhaus-Mitarbeiterin Otto legt allerdings Wert auf die Feststellung, dass die Finanzierung über Spenden nur ein Übergangsmodell sein könne. Das Land Schleswig-Holstein müsse in die Pflicht genommen werden. "Das Recht auf ein gewaltfreies Leben darf nicht privatisiert werden", sagt Otto.

Ein Frauenhaus, das demnächst aufgrund der Kürzungen schließen muss, befindet sich in Lübeck und gehört der Arbeiterwohlfahrt (AWO). Die dortige Mitarbeiterin Roswitha Bode wehrt sich gegen die Behauptung der schwarz-gelben Landesregierung, dass ihr Haus nicht ausgelastet sei.

Das Wort "ausgelastet" sei relativ, sagt Bode. Eine hundert-prozentige Belegung sei gar nicht machbar, denn in den höchstens 14 Quadratmeter großen Zimmern stünden bei ihnen drei Betten. "Man kann drei berufstätige Frauen nicht in einem solchen Zimmer unterbringen", sagt Bode. "Vor allem nicht, wenn sie noch ein Kind mitbringen."

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