Zu wenig Kindergarten- und Grundschulplätze in Bremen

Noch viel mehr Kinder

In Bremen fehlen Hunderte Plätze in Grundschulen und Kindertagesstätten. Jetzt wird die Planung des Senats eingeholt vom Zuzug syrischer Familienangehöriger.

Bremens Schulen müssen noch viel mehr Kinder aufnehmen. Foto: Steffen Petzer/dpa

BREMEN taz |Bremen rechnet in diesem Jahr mit dem Zuzug von 2.000 syrischen Geflüchteten, deren Familienangehörige in Deutschland Asyl bekommen haben. Dies sagte am Montag eine Sprecherin des Innensenators. Das stellt Kindertagesstätten und Schulen vor neue Herausforderungen. Die Bildungssenatorin geht davon aus, dass 40 bis 60 Prozent der Nachziehenden unter 18 Jahre alt sein werden. Das heißt, dass Bremen noch einmal zwischen 800 und 1.200 Kinder und Jugendliche in Klassen und Kindergartengruppen aufnehmen muss.

Dabei ist noch nicht einmal genug Platz für alle Kinder, die jetzt schon in der Stadt leben. Eltern von Kindern mehrerer Grundschulen haben sich in den vergangenen Wochen darüber beschwert, dass Klassen überfüllt sind, Kinder weite Wege zur nächsten Schule mit freien Plätzen fahren müssen oder wie in der Neustadt eine zusätzliche Klasse von Erstklässlern isoliert an einer Oberschule unterrichtet werden soll (taz berichtete).

Zuletzt schlugen ElternsprecherInnen aus Blumenthal Alarm: Dort geht es nicht nur um übervolle Klassen, sondern auch um LehrerInnenmangel und auffällige SchülerInnen mit einem besonders hohen Betreuungsbedarf. Auch eine neue Grundschule fordern die ElternsprecherInnen für den Stadtteil in Bremen-Nord – geplant ist diese allerdings bisher nicht.

„Wir wollen neue Grundschulen in der Neustadt, im Hulsberg-Viertel und in der Überseestadt“, sagt Annette Kemp, Sprecherin von Bildungssenatorin Claudia Bogedan (SPD). Vom Senat beschlossen sind diese noch nicht. Der hat bisher nur grünes Licht gegeben für eine neue Grundschule in Gröpelingen, während des laufenden Anwahlverfahrens im Januar. Diese startet bereits in diesem Schuljahr mit vier ersten Klassen à 20 SchülerInnen – so viele Kinder konnten nicht in den bestehenden Schulen im Stadtteil untergebracht werden.

Das liegt allerdings nur zu einem kleinen Teil an dem unerwarteten Zuzug von Geflüchteten. Die Bildungssenatorin hatte schlicht mit zu wenig Kindern gerechnet, weil sie ihre Planungen an einer veralteten Bevölkerungsprognose ausgerichtet hatte. So hatte das statistische Landesamt 2015 vorausgesagt, dass Ende des Jahres 1.102 Kinder unter sechs Jahren mehr in der Stadt leben würden als die Ausbauplanung für Kindertagesbetreuung ein Jahr zuvor berücksichtigt hatte. Geflüchtete waren darin nicht eingerechnet. Verantwortlich waren gestiegene Geburtenraten und Zuzüge von Familien in Neubaugebiete.

Die Zentralelternvertretung hatte dies wahrgenommen und vor über einem Jahr gefordert, die Planung für Kindergärten und -krippen anzupassen. Bogedan jedoch sagte noch im Februar 2016, jedes Kind würde einen Platz bekommen. Im Sommer 2016 korrigierte das statistische Landesamt seine Bevölkerungsprognose erneut. Danach sollte es Ende 2016 in der Stadt Bremen 29.505 Kinder unter sechs Jahren geben – noch einmal 600 mehr, als Bogedans Behörde angenommen hatte. Da war bereits klar, dass Hunderte von Plätzen zum Start des Kindergartenjahres im August fehlen würden. Immer noch stehen laut Bogedans Sprecherin Kemp 730 Kinder auf der Warteliste – aus dem vorigen Jahr. Weitere Kinder, die von ihren Eltern in diesem Jahr angemeldet wurden, werden dazukommen.

Angepasst hatte der Senat seine Planungen im September 2016, Hunderte von Kindern zwischen ein und sechs Jahren sollen in Mobilbauten untergebracht werden. Die Opposition und Elternvertretungen warnten zu diesem Zeitpunkt davor, dass sich das Drama in den Grundschulen fortsetzen würde. Das bestätigte sich Anfang des Jahres. 21 neue Grundschulklassen müssen eingerichtet werden, in jeder befinden sich 20 bis 24 Kinder. Ein Drittel kommt ebenfalls in Mobilbauten unter.

Annette Kemp, Sprecherin der Bildungsbehörde

„Wir wollen neue Grundschulen in der Neustadt, im Hulsberg-Viertel und in der Überseestadt“

Wie groß der Mangel in den kommenden Jahren sein wird, erfährt die Öffentlichkeit am 25. April. An dem Tag stellt der Senat die neue Bevölkerungsprognose des statistischen Landesamts vor. Diese soll den Zuzug von Geflüchteten eingerechnet haben.

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