piwik no script img

Zielgruppe Null Komma nix

■ betr.: „Haste mal ne Mark?“ (Zum 1. Juli wird die Sozialhilfe erhöht), taz vom 25. 6. 94

Hans Peter Stihl rennt nicht nur „mit der Machete in den Wald, um zu sehen, wer sich in die Bresche traut“, nein, nein, mit einer Machete macht er sich die Finger nicht schmutzig. Er nimmt seine „hauseigene“ Kettensäge. (Die Regenwälder lassen schön grüßen. Vielleicht ein letztes Mal.) Diese „Holzernte“-Geräte verkauft der saubere Herr. Weltweit, als Nr. 1.

Die Nr. 1 scheint es, hat der stillose Mann gefressen. Insbesondere die Gewerkschaften, die er als „Arbeitsplatzvernichter Nr. 1“ attackierte. Warum verschweigt er „die steigende Bedeutung des Ausbaues von ausländischen Fertigungsbetrieben“? Und: Als größte Märkte haben Deutschland und die USA einen Anteil von jeweils 22 Prozent.

Warum der „saubere Herr“? Soll ihm dadurch vors Schienbein getreten werden? Wie werd' ich denn. Es ist nur ein Hinweis auf Hochdruckreiniger und Universalsauger. Es ist ja nicht so, daß besagter Herr nur Motorsägen verkauft. Oho, da ist noch mehr: Motorsensen.

„Jetzt kommt Licht ins Dickicht – Mit dem widerspenstigen Wildwuchs räumt sie auf (Motorsense), daß es eine helle Freude ist ...“ usw. (Publikumswerbung). „Fachleute schätzen 1,5 Millionen Grundstücke in der Bundesrepublik mit hohem Gras, Wildwuchs und Gestrüpp ...“ usw. (Fachhandelswerbung).

Sozialhilfeempfänger- und RentnerInnen sind da kein Marktpotential. Zielgruppe Null Komma nix. Daß die Null-Zielpersonen noch Mitmenschen um sich herum haben, rafft er beim Raffen nicht mehr. Jede Krämer- und Industrievorstandsseele bekommt das als Marketing-Einmaleins eingebleut. Bestimmt hat er an dem Tag blaugemacht.

Zu vermuten ist auch, daß dem Hans Peter Stihl durch Lärm und Abgasgestank seiner eigenen Produkte das feine Nervennetzwerk durchgebrannt ist. Nicht nur ihm; vielleicht sind auch einige der angeprangerten Gewerkschafter-, Sozial- und RentenempfängerInnen deswegen vorzeitig das geworden was sie sind: out. [...] Peter W. Tuchenhagen, Seesen

50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen