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ZWEIERWELT

■ Ulrike Bocks X: von der Freude: X in der Ladengalerie

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Ulrike Bocks „X: von der Freude: X“ in der Ladengalerie

Auch wenn ihre Blicke die des Bildbetrachters kreuzen: sie sind nicht interessiert. Selbst noch mit ihren Augen schließen sie sich ein zu zweit in ihrer eigenen Welt.

Ulrike Bock schildert in großformatigen Buntstiftzeichnungen die Beziehungen zweier Frauen. Sie wenden sich einander zu, ruhen in der Wärme der anderen und sinken schwer übereinander. Keine Momente der Unruhe, der Begierde und der Suche sieht Ulrike Bock in ihrer Beziehung. Aus einem trägen Bewegungsfluß, aus einem melancholischen Versunken-Sein zwischen Traum und Wachsein, aus einem Zustand der Wunschlosigkeit und ans Ziel gelangten Sehnsüchte ist der Zyklus „X: von der Freude: X“ entwachsen.

Die Gesichter der Frauen sind großflächig, die Haare streng zurückgekämmt, die Münder klein und verschlossen und über den geraden Nasen stehen steile Stirnfalten. Sie widersprechen den Mustern weiblicher Gefälligkeit. Die vielfarbige Buntstiftzeichnung verleiht den Körpern Volumen und Schwere; bläuliche Schatten nisten in Vertiefungen und Höhlungen. Die feinen roten und blauen Striche durchpulsen die Haut.

Provokant an Ulrike Bocks Bildern ist weniger, daß in ihnen zwei Frauen gemeinsam ihre Sexualität erleben, als vielmehr die Absolutheit ihrer Beziehung. Beide sind präsent nur am Ort ihrer Körper; jeder Strich bestätigt ihre Existenz. Es gibt niemanden und nichts außer ihnen in ihrer Bildwelt. Darin liegt die radikale Konsequenz dieser Selbstdarstellung. Es verlangt außerordentliche Stärke und Anstrengung, sich so aus den gesellschaftlichen Konventionen auszuklinken und doch den Rückzug nicht geheim zu halten, sondern in der künstlerischen Arbeit zu exponieren. Etwas von dieser Anstrengung findet sich in Bocks Technik wieder, in den kleinen Buntstiftstrichen, die sie mit dem Realismus verpflichteter Genauigkeit im Detail zu großen Flächen verdichtet. Der Modernismus liegt ihr fern, Subjektivität in spontaner malerischer Geste zur Schau zu stellen. Den Buntstiften, deren Gebrauch man eher von kleinen Formaten und Laien kennt, haftet dabei noch etwas Intimes und Privates an.

Zwei Zeichen wiederholen sich in „X: von der Freude: X“: dünne Linien überschneiden sich als Kreuze im Bild selbst oder außerhalb auf einem Streifen. Vielleicht sind sie zu lesen als geheime Zielpunkte, nur ganz entfernte Irritationen und Symbole des Todes, die die Malerin, die in früheren Bildern überdeutlich mit massiven Kreuzen als Bedrohung des Leidens, Schmerzes und Sterbens arbeitete, nun außerhalb der Bilder angegliederte Streifen zu verbannen sucht. Das andere Zeichen ist eine dünne rote Linie über einer weißen Fläche, die als Bild im Bild hinter den beiden Frauen an die Wand geheftet ist. Der Strich erscheint wie ein Schnitt in die Leinwand, eine Ritze und korrespondierend mit Bocks Darstellung des weiblichen Geschlechts bildet er einen Gegenpol zu den Kreuzen.Katrin Bettina Müller

Ulrike Bock. „X: von der Freude: X“ Ladengalerie am Kurfürstendamm 64, bis 27.6., Mo-Fr 10-18.30, Sa 10-14/18 Uhr.

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