Wolfsburg gegen Hertha: Rückkehr ins Mittelfeld der Liga

Der VfL Wolfsburg ist nach dem 0:0 gegen Hertha immer noch eine Erfolgsmannschaft - und sollte in seiner aktuellen Form wieder das Mittelfeld der Liga erreichen können.

Konzentriert am Werk: Wolfsburgs Torhüter Diego Benaglio und sein Team. Bild: dpa

Ergebnis: 0:0

VfL Wolfsburg: Benaglio - Ricardo Costa (55. Dejagah), Simunek, Madlung, Schäfer - Gentner, Josué, Hasebe - Marcelinho (80. Ljuboja) - Grafite, Dzeko

Hertha BSC: Drobny - Chahed, Friedrich, Simunic, Fathi (46. von Bergen) - Ebert (85. Okoronkwo), Lustenberger, Kacar (76. Mineiro), Skacel - Raffael - Pantelic

Schiedsrichter: Kinhöfer (Herne) - Zuschauer: 23 659

Gelbe Karten: Grafite (6), Ricardo Costa (3), Marcelinho (1) / Simunic (3), Kacar (2), Fathi (3)

Während die Welt ansonsten von Gott erschaffen wurde, war für die Erschaffung von Wolfsburg bekanntlich ein anderer verantwortlich. Das hängt der Stadt immer noch nach und selbst dem nach dem Zweiten Weltkrieg gegründeten Klub. Seit seinem Urknall hat der VfL Wolfsburg außerdem noch nie einen Titel gewonnen. Insofern ist das Viertelfinale im DFB-Pokal am Mittwoch gegen den Hamburger SV von dreifacher Bedeutung: Man verdient Geld. Man kann mit nur noch drei Siegen bleibenden Ruhm und einen Uefa-Cup-Platz gewinnen. Und es ist eine der raren Gelegenheiten, live und öffentlich- rechtlich (ARD, 17.45 Uhr) Imagepflege für Klub und Standort zu betreiben. Zum ersten Mal kann sich auch eine breitere Öffentlichkeit zumindest ein Fernsehbild machen von Felix Magaths work in progress.

Das 0:0 gegen Hertha BSC Berlin hat zwei Annahmen über den VfL erhärtet. Erstens: Da wächst mit Hilfe von VW ein interessantes Fußballteam heran. Zweitens: Nach zwei Jahren Abstiegskampf wird diese Saison wohl mit der Rückkehr ins gepflegte, aber unspektakuläre Mittelfeld der Bundesliga enden. Was ja nicht wenig ist. Der Pokal aber könnte den zusätzlichen Kick bringen. Er könnte Magaths erstes Arbeitsjahr vergolden und als sichtbarer Beweis herhalten, dass Klubbesitzer VW mit der Installation des vormaligen Bayern-Trainers als omnipotentem Sportdirektor und Trainer endlich richtig liegt.

Selbstverständlich deuten beide Seiten das 0:0 vom Samstag als Ausweis für Fortschritt: Der VfL bleibt in der Rückrunde ungeschlagen (zehn Punkte aus vier Spielen), Hertha verbucht sieben Punkte aus drei Partien. Es war tatsächlich ein Spiel mit Niveau. Der VfL (4-3-1-2) spielte die vielleicht beste Halbzeit, seit Magath hier ist, die erste nämlich: Da agierte das Team richtig stark, war kollektiv zweikampfstark, schaffte Ballpassagen, wie man sie hier selten sah, und hatte drei gute Chancen (Madlung, Dzeko, Costa). Selbst die Anhänger waren in Form ("Wir holen den DFB-Pokal"). Die zweite Hälfte ging dann klar an Hertha (4-4-1-1). Trainer Lucien Favre stabilisierte durch einen Wechsel (van Bergen für Fathi) die gut arbeitende Defensive, Neuzugang Raffael wurde ein bisschen ins Spiel integriert, und am Ende war es Wolfsburgs neuer Liebling Diego Benaglio, der in zwei Eins-zu-eins-Situationen einen Sieg der Hertha verhinderte.

Man habe, das sah auch Magath, "Glück gehabt und einen Torhüter, bei dem wir uns bedanken können". Wie der Schweizer Nationalkeeper gegen Pantelic weit vor dem eigenen Tor per Seitfallzieher klärte, war spektakulär, gehört aber zu seinem Repertoire. So sicher, schnell und entschlossen jenseits der Linie war Vorgänger Simon Jentzsch definitiv nicht. Auch der Japaner Hasebe, ein weiterer Winterzugang, machte im zentralen Mittelfeld ein ansprechendes Spiel. "Laufstark, am Ball geschickt und mit viel Spielübersicht", so charakterisiert ihn Magath. Man wird sehen, ob Hasebe auch mittelfristig die funktionierende Doppelsechs (Josue/Gentner) zu einer Dreier-Kette erweitert. Vorn sah man ein weiteres Mal, was für ein Talent der Bosnier Edin Dzeko, 21, ist. Ein großer Keilstürmer, der nicht nur Flugbälle ablegen kann, sondern Speed hat und trotz langer Hebel erstaunlich filigran mit dem Ball umgeht. Zusammengefasst: Die Qualität im Kader ist sichtbar gestiegen gegenüber dem Vorjahr, als man immerhin im Pokalhalbfinale stand, dort gegen den VfB Stuttgart verlor (0:1) und eine bis dahin okaye Saison in Abstiegsnähe und der Entlassung von Trainer Klaus Augenthaler endete. Damit ist dieses Jahr nicht mehr zu rechnen.

Magath hat einen Vertrag bis 2010. Bis dahin will er den VfL "in der Bundesligaspitze" etablieren - also etwas schaffen, was dem nächsten Gegner HSV in den letzten drei Jahren gelungen ist. Bis auf Weiteres aber gilt, sagt Magath: "Wir werden nicht jedes Spiel gewinnen." Vermutlich sind die Wolfsburger Ergebnisse derzeit tatsächlich besser als die Leistungen. Es gibt Schlimmeres.

Einmal zahlen
.

Fehler auf taz.de entdeckt?

Wir freuen uns über eine Mail an fehlerhinweis@taz.de!

Inhaltliches Feedback?

Gerne als Leser*innenkommentar unter dem Text auf taz.de oder über das Kontaktformular.

Bitte registrieren Sie sich und halten Sie sich an unsere Netiquette.

Haben Sie Probleme beim Kommentieren oder Registrieren?

Dann mailen Sie uns bitte an kommune@taz.de