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Wo sind nur all die Friedensfreunde hin?

■ Ostermärsche unter Ausschluß der Öffentlichkeit / Nur die DKP zeigt Flagge / Gegen Awacs-Einsatz und Rassismus

unter Ausschluß der Öffentlichkeit / Nur die DKP zeigt Flagge / Gegen Awacs-Einsatz und Rassismus

Kein Marsch, nur ein Märschchen. Dem handverlesenen TeilnehmerInnenkreis des diesjährigen Hamburger Ostermarsches gelang es auch durch eine geschickte Verteilung über die ganze Breite des Dammtors kaum, auf der Abschlußkundgebung am Stephansplatz Menschenmasse zu symbolisieren. Dem mathematisch vorgebildeten Beobachter wollte es kaum gelingen, die 1 500 MarschiererInnen ausfindig zu machen, die die VeranstalterInnen geortet haben wollen. Grün-alternative oder sozialdemokratische Politprominenz wurde unter den wohl eher 500 KundgebungsteilnehmerInnen gar nicht gesichtet.

„Wo sind all die Leute, die früher mit uns gingen“, klagte die jüdische Künstlerin Ester Bejarno in der Abschlußrede. Dabei waren es gerade die marscherprobten Friedens-Recken, für die der kollektive Osterspaziergang schon seit Jahren den traditionellen Höhepunkt der österlichen Feiertage bildet, die auch gestern Flagge zeigten. Daß das auffälligste Demo-Transparent gegen Faschismus und Rassismus vom „Seniorenarbeitskreis der DKP Hamburg“ gepinselt worden war, ist da vielleicht mehr als Zufall.

Die roten Fahnen der DKPisten bestimmten die Optik einer Kundgebung, deren Akustik selten über das Niveau eines Veteranentreffens hinausreichte. Keine markigen Demo-Reime, keine schmissigen Politsongs übers Megaphon, gerade drei empörte Pfiffe, als einer der Veranstalter verkündete, daß die Nato- Truppen gerade begonnen haben, das Flugverbot über Bosnien unter Beteiligung deutscher Soldaten durchzusetzen. Damit sei, so der Demo-Redner, die Bundesrepublik erstmals seit der Gewaltherrschaft der Nazis zur „kriegsführenden Nation geworden “.

Zusammen mit dem aufkeimenden Rechtsradikalismus, dem zweiten Themen-Schwerpunkt der FriedensfreundInnen, Anlaß genug für zeitgeschichtliche Parallelen: „Rechtsentwicklung nach innen und Krieg nach außen sind in Deutschland schon immer Hand in Hand gegangen“, erinnerte Ester Bejarno. Marco Carini

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