■ Wissenschaftlerin machte atemberaubende Entdeckung:: Schafswolle – auch ohne Schaf
Christchurch (dpa/taz) – Eine neuseeländische Forscherin ist auf dem besten Wege, Wolle im Reagenzglas zu produzieren. Louise Winder vom Zentrum für Landwirtschafts-Wissenschaft in der Stadt Christchurch gelang es, Wolle in Nährlösung wachsen zu lassen. Die Wolle wächst zwar unglaublich langsam, nämlich nur drei Millimeter in zwölf Tagen, aber immerhin. Die Doktorandin, die auf an Menschenhaaren gemachten Erkenntnissen aufbaut, hält ihre Entwicklung für „sehr bedeutend“.
Sie glaubt aber nicht, daß die künstlich erzeugte Wolle in näherer Zukunft den traditionellen Lieferanten, das Schaf, ablösen könnte. Im Schafzüchterland Neuseeland, wo auf 3,4 Millionen Einwohner fast 70 Millionen Schafe kommen, käme das auch einer wirtschaftlichen Katastrophe gleich. Louise Winder erhofft sich vielmehr von ihren Forschungsergebnissen Erkenntnisse darüber, was das Wachstum der Wolle hervorruft und wie man es möglicherweise beschleunigen kann. Unter natürlichen Bedingungen wächst die Schafswolle pro Tag zwischen 0,3 und 0,7 Millimeter.
Die Wissenschaftlerin glaubt herausgefunden zu haben, daß das Hormon Prolactin für das Wachstum verantwortlich ist. Die Produktion des Hormons im Körper der Schafe wird von der Länge der Tage beeinflußt, was erklären könnte, warum die Wolle im Sommer schneller wächst als im Winter. Louise Winder schnitt für ihre Tests kleine Hautstückchen unter lokaler Betäubung aus Schafen heraus und setzte diese dann ständig wechselnden Nährlösungen aus, die sich in erster Linie aus Aminosäuren und Vitaminen zusammensetzten. Die Versuche fanden in einem Inkubator bei einer ständig gleichen Temperatur von 37 Grad statt.
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