Wissenschaftler in Coronazeiten: Der Epidemiologe als Popstar

Hugo López-Gatell gilt als eloquenter Coronabeauftragter der mexikanischen Regierung – und hat das Vertrauen der Bevölkerung gewonnen.

López-Gatell hat schütteres kurzgeschnittenes Haar und trägt einen Anzug

Frauen diskutieren, ob er noch zu haben sei: Hugo López-Gatell, der mexikanische Drosten Foto: Edgard Garrido/reuters

BERLIN taz | Keine Frage, Hugo López-Gatell ist längst ein Popstar. Wen sollte es also verwundern, dass der mexikanische Epidemiologe mittlerweile für ein paar hundert Pesos als Vinylfigur im Funko-Pop-Stil zu erwerben ist, Mundschutz und Covid-19-Viruskugel aus Plastik inklusive.

Kaum war der 51-Jährige erstmals aufgetreten, kursierten seine Jugendfotos im Internet. Mittlerweile ziert sein Konterfei Schutzmasken und Frauen diskutieren, ob der attraktive Mann denn noch zu haben sei.

Letzteres klärte sich jüngst auf, nachdem seine Ehefrau die schlechte Recherche einer Zeitung zurechtrückte und klarstellte, dass die beiden bereits seit einem Jahr getrennt lebten.

Jeden Tag informiert López-Gatell, der Coronavirus-Beauftragte der mexikanischen Regierung, mit seinem Team in einer Pressekonferenz eine Stunde lang über die aktuelle Entwicklung der Pandemie.

Er redet Klartext in freundlichem Ton

Während Präsident Andrés Manuel López Obrador noch quer durch das Land reiste, Kinder umarmte und das Bad in der Menge genoss, machte der Epidemiologe bereits auf die Risiken direkten zwischenmenschlichen Kontakts aufmerksam.

Sein besonnenes, freundliches und eloquentes Auftreten schufen ein Vertrauen in die Behörden, das der Staatschef bis heute nicht vermitteln kann, weil ihm wirtschaftliche Fragen mehr am Herzen liegen als gesundheitliche.

Dabei macht auch López-Gatell keinen Hehl daraus, dass in Mexiko die Zahl der Infizierten und Toten zunimmt. Es sei kein Geheimnis, dass die derzeit über 55.000 Infizierten angesichts der Zählweise nur etwa ein Achtel der tatsächlich Betroffenen darstellten.

Er lässt auch keinen Zweifel daran, dass die Krankenhäuser bei Weitem nicht über die nötige medizinische Ausrüstung verfügen, um alle Angesteckten zu behandeln.

Deshalb wird er nicht müde zu betonen: „Bleibt zu Hause.“ Viele halten sich daran. Trotz der Armut, die fast die Hälfte aller Einwohner dazu zwingt, täglich arbeiten zu gehen, um zu überleben.

López-Gatell weiß, wovon er spricht. Als Staatssekretär im Gesundheitsministerium kennt er die soziale Situation und den politischen Rahmen, als Epidemiologe war er unter anderem an der renommierten Johns-Hopkins-Universität in den USA tätig. Dort forschte er zu den Konsequenzen von Tuberkulose für HIV-Infizierte.

Er bleibt Mensch und ist kein Technokrat

Vor allem aber beeindruckt der Mediziner, weil er sich nicht nur mit Statistiken, Todesraten und ansteigenden Kurven beschäftigt. Sein Team spricht auch über die zunehmende Gewalt gegen Frauen, die das Zu-Hause-Bleiben verursacht. Oder es informiert über die Probleme, die die Restriktionen für Menschen mit Behinderungen mit sich bringen.

Eine Konferenz dürfte vielen Mexikanern lange in Erinnerung bleiben. In einer Video-Fragestunde für Kinder wollte ein siebenjähriges Mädchen wissen, ob es denn in zwei Wochen ihren Geburtstag mit ihren Freundinnen feiern könne. Das werde wohl nicht klappen, reagierte López-Gatell, um der Kleinen dann liebevoll zu erklären, dass sie ihre Feier über das Internet organisieren könnte.

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